Medien : "Mir": Die Geschichte der Raumstation

Simone Leinkauf

An der Decke hängt das Trainingsgerät für die Sport-Stunde, Essens-Tuben und Trinkschläuche sind an den Wänden angebracht, und der Toilettensitz hat einen "Einfüllstutzen", damit das Entsorgte nicht im schwerelosen Raum herumschwebt. Die Rede ist von dem Basis-Modul der russischen Raumfahrtstation "Mir", die am 19.Februar 1986 ins All geschossen wurde. 140 Raumfahrer aus zwölf Ländern verbrachten seitdem Wochen und Monate rund 370 km über der Erde in den 400 Kubikmetern Lebensraum.

In ihrer 45-minütigen Dokumentation "Schwerelos und altersschwach", die heute Abend um 21 Uhr 45 im Ostdeutschen Rundfunk ausgestrahlt wird, erzählen Jürgen Ast und Karlheinz Eyermann die wechselvolle Geschichte der Raumstation, deren erfolgreiche Platzierung im All nur wenige Wochen nach dem Challenger-Unglück in den USA der sowjetischen Raumfahrt einen großen Vorsprung sicherte. Zu Zeiten des Kalten Krieges lag dies den Amerikanern schwer im Magen. Umso mehr waren diese nach dem Fall der Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion an einer gemeinsamen Nutzung der Raumfähre interessiert.

Als Ast und Eyermann vor einem Jahr mit den Recherchen zu ihrem "Mir"-Projekt begannen, schien der kontrollierte Absturz der Station für diesen Sommer besiegelt zu sein. Die Filmemacher wollten ihre Dokumentation zum Ende der "Mir" möglichst zeitgleich mit dem Absturz zeigen. Sie wurden jedoch von der politischen Situation im Kreml, die auch eine Änderung der Raumfahrtpolitik mit sich brachte, überrascht: Putin beschloss kurz nach seinem Amtsantritt, die "Mir" so lange wie möglich in der Erdumlaufbahn zu halten - und torpediert damit indirekt die gemeinsam mit den USA abgesegneten Pläne, eine neue internationale Forschungsstation im All zu platzieren. Keiner weiß, wie der wirtschaftlich marode russische Staat zusätzlich zu den für die "Mir" jährlich anfallenden Betriebskosten von 250 Millionen Dollar Gelder für eine neue und größere Station aufbringen will.

In ihrer ausgesprochen unterhaltsamen Dokumentation machen die beiden Filmemacher deutlich, dass es neben dem Gefühl von nationalem Stolz eine ganze Reihe guter Gründe gibt, die "Mir" weiter fliegen zu lassen.

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