Mission Hollywood : Til Schweiger: Der Anti-Bohlen

Ganz Gentleman: Til Schweiger fasst die zwölf Kandidatinnen bei „Mission Hollywood“ sanft an.

Thomas Gehringer
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Til Schweiger

Das Casting-Fieber hält an. Wohin man blickt: Superstars, Supertalente, Popstars, Top-Models. Auch im Sommer darf es keine Pause geben, wobei interessant ist, dass in dieser Zeit geringerer TV-Nutzung die Softies mit neuen Formaten zum Einsatz kommen. In der vergangenen Woche schickte ProSieben DJ Bobo bei „Germany’s Next Showstar“ ins Rennen, am Montag folgen RTL und Til Schweiger mit „Mission Hollywood“.

Til Schweiger („Keinohrhasen“) gibt den Anti-Bohlen: Er kennt keine Häme und keine vernichtende Kritik. Als eine der zwölf Kandidatinnen, eine allein erziehende Mutter, wegen ihrer kranken Tochter erst zum zweiten Tag auftaucht, zeigt er „volles Verständnis“. Auch will er die junge Frau, die ihren BH für eine Striptease-Szene aus „9 ½ Wochen“ lieber nicht ausziehen möchte, „nicht zwingen“. Und als er am Ende der ersten von acht Folgen entscheiden muss, welche drei Frauen ausscheiden, kann er nach eigenem Bekenntnis „nachts nicht pennen“ und macht bei der Verkündung ein sehr zerknirschtes Gesicht. Um den Schlaf von Dieter Bohlen musste man sich keine Sorgen machen.

Dafür ist der Flirt-Faktor hoch: Gentleman Til Schweiger (45), seit einiger Zeit wieder Single, inmitten einer Schar aus jungen Frauen, die als erste Prüfung vornehmlich erotische Szenen drehen müssen – neben Kim Basingers Solo den von Meg Ryan im Restaurant vorgetäuschten Orgasmus aus „Harry und Sally“ oder die Kuss-Szene zweier Frauen aus „Eiskalte Engel“ mit Sarah Michelle Gellar. So sieht „frauen-affines“ Programm aus, wie die Fernsehleute es nennen, wenn sie das überwiegend weibliche Casting-Publikum gewinnen wollen.

Mit Schauspielunterricht hat das jedoch nichts zu tun. Zweites Jury-Mitglied neben Schweiger ist zwar der amerikanische Schauspiel-Coach Bernard Hiller, doch der fällt nur durch ein paar markige Sätze und ulkigen Satzbau auf: „Ich kann gleich sehen, wenn ich guck in die Augen: Wer hat es und wer hat es nicht.“ Zur finanlen Entscheidung jeder Folge werden weitere Schauspieler oder Produzenten hinzugezogen. In der ersten Folge ist es Heiner Lauterbach. Angenehm: Bei „Mission Hollywood“ gibt es kein Vor-Casting, bei dem sich talentfreie Menschen vor der Kamera der Lächerlichkeit preisgeben. Sieben der zwölf Kandidatinnen im Alter zwischen 20 und 27 Jahren haben Schauspielschulen absolviert und erste Berufs-Erfahrung. Drei weitere sind Models. Ein bisschen gemein ist allerdings, sie mit gepackten Koffern zum Flughafen zu bestellen und dann doch erst mal in Deutschland zu bleiben.

Die verbliebenen neun jungen Frauen werden in Los Angeles in verschiedenen Rollen gecastet. In jeder Folge scheidet eine weitere aus, zudem gibt es jeweils eine Siegerin, die zur Belohnung etwa in der Serie „Bones“ oder dem neuen Musikvideo von Lady Gaga mitmachen darf. In der ersten Folge darf sich Friederike (26) bei der RTL-Serie „Doctor’s Diary“ als schwangere Frau auf dem Bahnsteig über den Haufen rennen lassen.

Der Traum von Hollywood besteht vorerst in einem Vertrag bei einer Agentur in Los Angeles und in einer Filmrolle in der dritten Fortsetzung von „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“. Es soll sogar eine Sprechrolle sein, wie RTL versichert. Na bitte. Vielleicht dürfen die anderen wenigstens mit Til Schweiger in dem schicken roten Cabrio fahren, mit dem der Schauspieler hollywood-mäßig durch die Gegend kurvt. Thomas Gehringer

„Mission Hollywood“, 20 Uhr 15, RTL

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