Mit Anke Engelke als Ansagerin : WDR startet Programmoffensive #machtan

Der Westdeutsche Rundfunk will jünger und innovativer werden. Deshalb startet er in diesem Sommer 20 neue Formate.

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Jünger geht’s immer. WDR-Intendant Tom Buhrow (links) und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn. Foto: Henning Kaiser/dpa
Jünger geht’s immer. WDR-Intendant Tom Buhrow (links) und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn.Foto: Henning Kaiser/dpa

„Schnallen Sie sich an“, sagt Gisela Knöpe, Ansagerin aus seligen Fernsehzeiten, verheißungsvoll und mit einem kecken Lächeln vor der Blümchentapete. Anke Engelke ist in dem Clip trotz entsprechender Frisur, Kleidung und Brille leicht wiederzuerkennen. Knöpe, so hat man sich das beim WDR wohl gedacht, ist eine Figur, die die eigene Geschichte des Senders humorvoll spiegelt und gleichzeitig eine neue Zeit ankündigen soll. Denn Gisela Knöpe alias Anke Engelke ist es auch, die als „Ansagerin 3.0“ am 24. August im WDR Fernsehen eine mehrwöchige Programmoffensive einläuten soll.

„Guerilla-Marketing“ nennt man das neudeutsch

Schon jetzt treibt der WDR in der im eigenen Haus entwickelten Kampagne „#machtan“ manchen Werbespaß in sozialen Netzwerken, aber auch ganz real auf den Straßen von Nordrhein-Westfalen. Der Name WDR taucht dabei gar nicht auf, womöglich weil er abschreckend wirken könnte auf die Zielgruppe der 35- bis 55-Jährigen, die man nun endlich wieder gewinnen will für das öffentlich-rechtliche Programm. „Guerilla-Marketing“ nennt man das neudeutsch.

Mehr als 20 neue Sendungen will der Westdeutsche Rundfunk in seinem dritten Fernsehprogramm ausprobieren und damit vielfach zugleich auch im Netz präsent sein. Das Gros hat eine eigens gegründete und crossmedial aufgestellte Innovationsredaktion entwickelt. Viereinhalb bis fünf Millionen Euro lässt sich der WDR die Sommerexperimente kosten. Gestern stellten Intendant Tom Buhrow und Fernseh-Programmdirektor Jörg Schönenborn in Köln die Formate vor und waren dabei, wenig überraschend, sehr begeistert. „Dieser WDR ist ein Powerhaus“, sagte Schönenborn. Der WDR habe in seiner Geschichte Maßstäbe gesetzt im Qualitätsfernsehen, „und wir können das immer noch“. Humor und Unterhaltung dominieren, weil man da verständlicherweise den größten Nachholbedarf sieht. Aber auf den ersten Blick wird nicht recht klar, warum man sich nun unbedingt anschnallen müsste.

Unverkennbar versucht der WDR mit einigen Konzepten schon im Titel an die Gewohnheiten jüngerer Generationen anzudocken. Bei „Gefällt mir! – Die total vernetzte Show“ (ab 28. August) mit Matthias Opdenhövel werden lustige Internetvideos verarbeitet. In „Mischen Impossible?!“ (25. August und 2. September) durften Youtube-Stars im WDR-Archiv wühlen und lassen nun 50 Jahre WDR-Fernsehen Revue passieren.

Neue Comedy-Show "Das Lachen der Anderen"

Experimentellen Charakter hat „Das Lachen der Anderen“ (24. August). Comedy-Autor Micky Beisenherz und Comedian Oliver Polak sollen einige Zeit in „Grenzbereichen der Gesellschaft“ (Buhrow) leben und dies am Ende in einer Stand-up-Nummer verarbeiten. In vorerst zwei Folgen begeben sie sich unter Öko-Aussteiger und MS-Kranke, wobei die Bezeichnung „Grenzbereiche“ vielleicht ein bisschen unglücklich ist. Zwischendurch aber taucht immer mal wieder Anke Engelke als Ansagerin Gisela Knöpe auf und ist damit „die Schleife ums Paket“, wie Martin Hövel, Leiter der Innovationsredaktion, bemerkte.

Im Herbst will man entscheiden, welche Formate fortgeführt werden. „Das ist kein Strohfeuer, Innovation ist ein langfristiges Ziel“, betonte Schönenborn. Das zuletzt durchaus ebenfalls innovativ arbeitende Regionalmagazin „Hier und Heute“ allerdings wird in Zukunft nur noch am Montagabend ausgestrahlt, bestätigte der Fernsehdirektor.

Die werktäglich ausgestrahlten viertelstündigen Reportagen entfallen, weil sie nach Ansicht Schönenborns „nicht mehr in die heutige Zeit passen“. Der Protest gegen die „Hier und Heute“-Beschneidung – zuletzt haben sich freie Mitarbeiter in einem offenen Brief an Schönenborn gewandt – scheint damit erfolglos zu bleiben. Thomas Gehringer

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