Medien : Mit Ballack gegen Rechts

Die „Zeit“ startet mit zahlreichen Partnern das Online-Portal Netz-gegen-Nazis.de

Kurt Sagatz

„Wir danken den Frauen, die uns während des Wahlkampfs den Rücken frei gehalten und die Wäsche gewaschen haben.“ Dieses Zitat von der NPD Mecklenburg-Vorpommern beantwortet die Frage „Wie ist das derzeitige Frauenbild in der rechten Szene?“ absolut ausreichend, meint der Schreiber des neuen Internetforums. Es befindet sich auf der Website Netz-gegen-Nazis.de, das „Die Zeit“ am Montag als interaktives Ratgeberportal gegen Rechtsextremismus gestartet hat. Neben der Wochenzeitung, die wie der Tagesspiegel zur Verlagsgruppe von Holtzbrinck gehört, wird die Website von einer Vielzahl von Partnern getragen. Mit eigenen Aktionen sind dabei: der Deutsche Olympische Sportbund, der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sowie der Deutsche Feuerwehrverband. Als Fernsehpartner ist das ZDF beteiligt, und online wird das Portal von den Social Networks StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ unterstützt. Die Partnerschaften sind kein Zufall. Gerade erst sei in der „Deutschen Stimme“ ein Strategiepapier veröffentlicht worden mit dem klaren Auftrag an die Nazis, Sportvereine und freiwillige Feuerwehren zu unterwandern, sagte „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Zu den zentralen Elementen von Netz-gegen-Nazis.de gehört der Erfahrungsaustausch. „Bei uns macht sich eine Kameradschaft breit. Was tun?“ oder „Welche Rolle spielen Computerspiele in der rechten Szene?“ – auf Fragen wie diese will das Ratgeberportal Antworten geben. „Unser Forum soll dafür da sein, dass Betroffene einander Rat geben können, wenn rechtsextremes Gedankengut in ihren Alltag eindringt“, so di Lorenzo.

Die Website ist in drei Bereiche aufgeteilt: Wissen, Handeln, Diskutieren sind die Wegweiser im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Um sich im Bereich Wissen schneller zurechtzufinden, kann unter anderem die interaktive Deutschlandkarte genutzt werden. Als weitere Einstiegs- und Recherchepunkte bieten sich die Presseschau oder die gut bestückte Bibliothek an. Zu den Contentpartnern gehört auch der Tagesspiegel. Geradezu ein Muss ist die Rubrik „Woran man Nazis erkennt“, in der über die Bedeutung von Zahlenkombinationen wie 88 (Heil Hitler) oder von Thor-Steinar-Pullovern informiert wird. Zudem weist das Portal den Weg zu Initiativen gegen rechts sowie Beratungs- und Selbsthilfeorganisationen.

Um der auf drei Monate angelegten Aktionsphase – die Website bleibt darüber hinaus online – Auftrieb zu geben, werden DFL und DFB das Projekt mit einer ersten Partneraktion unterstützen. Zum 32. Spieltag (6./7. Mai) der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga werden in den Stadionmagazinen und auf den Clubwebsites Beiträge zum Rechtsradikalismus veröffentlicht, sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball. Auch vor den Stadien wird auf die Internetinitiative hingewiesen. Zudem wird ein kompletter Spieltag mit den Begegnungen aller Jugend-, Frauen- und Männermannschaften des DFB im Amateurbereich dem Projekt gewidmet, kündigte DFB-Chef Theo Zwanziger an. Der Deutsche Olympische Sportbund veranstaltet nach den Worten von DOSB-Präsidiumsmitglied Ingo Weiss im Juli eine Themenwoche.

Das Portal zeigt zugleich, dass im Kampf gegen Rechts niemand allein ist. „Ich bin gegen Nazis, weil sie anscheinend nichts aus der Vergangenheit gelernt haben“, sagt der Kapitän der Nationalmannschaft Michael Ballack im Videokommentar. Andere Sportler wie Philipp Lahm oder Medien-Promis wie Marietta Slomka und Buchautor Wladimir Kaminer tun es ihm nach. Giovanni di Lorenzo hofft überdies darauf, dass die jetzt gewonnenen Erfahrungen in einem Handbuch gegen Rechtsextremismus zusammengefasst werden. Kurt Sagatz

www.netz-gegen-nazis.de

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