Medien : Mit dem Aufzug ins All

„2056“ – wie das ZDF sich die Zukunft vorstellt

Thomas Gehringer

Die Welt in 50 Jahren könnte einige Überraschungen bereithalten: Krankenwagen, die fliegen, Organe aus dem 3D-Drucker oder Aufzüge, die bis in den Weltraum reichen. Und das Überraschendste daran ist, dass an der Verwirklichung tatsächlich gearbeitet wird. „Mit einem Aufzug in den Weltraum? Das glaubt ja niemand. Aber Tatsache ist: Der Space Elevator wird in Los Alamos gebaut“, sagt der Kölner Filmproduzent Uwe Kersken. Theoretisch sei das Problem schon gelöst: Die Aufzugsseile werden durch Kohlenstoff-Röhrchen stabilisiert, die 1000 Mal stärker sind als Stahl – ein Produkt der Nanotechnologie.

Das ZDF hat das ehrgeizige Aufzugsprojekt in das Szenario „2056 – Die Welt der Zukunft“ aufgenommen. Die Dreharbeiten für den rund 2,5 Millionen Euro teuren Dreiteiler laufen zurzeit in Köln und dauern noch bis Juni. Weitere Drehorte sind Paris, Tokio, Seoul und Los Angeles. Gedreht wird in englischer Sprache; denn neben Arte und dem ORF ist der amerikanische Discovery Channel als Koproduzent mit dabei. „2056“ soll Anfang Dezember in synchronisierter Fassung im ZDF Premiere haben.

Der Sender heftet seinem Projekt das modische Etikett „Doku-Drama“ an. Doch die Zukunft dokumentieren zu wollen, ist ein Widerspruch in sich. Vielmehr wird eine mögliche Entwicklung inszeniert. „Wir zeigen nur, was heute schon in den Schubladen liegt“, erklärt Autorin Meike Hemschemeier. Sie war besonders vom Projekt eines deutschen Wissenschaftlers in den USA verblüfft, der Organ-Modelle am Computer konstruiert und diese von einem 3D-Drucker ausdrucken lässt. In der Patrone befinden sich Zellen statt Tinte, vorerst noch von Schweinen. Auch die Vision von Autos, die in der Luft durch die Straßenschluchten rauschen, ist nicht allein Kino-Regisseuren vorbehalten. Allerdings dürften fliegende Autos so teuer werden, dass in 50 Jahren nur Polizei- und Rettungsfahrzeuge vom Boden abheben.

Das in einem Kölner Studio aufgebaute Set hat spektakuläre Zukunftsvisionen freilich nicht zu bieten: Da ist ein Kinderzimmer, das weitgehend leer ist. Es gehört dem Hacker Paul, der eine der Hauptrollen in den Spielszenen der ZDF-Zukunftsvision hat. Paul hat einen Hai, der existiert aber nur im Computer. Allein ein gut ein Meter großer Roboter lässt darauf schließen, dass hier die Zukunft schon angebrochen ist. Das Modell „Asimo“ wird zurzeit von Honda in Offenbach entwickelt und soll in 15 bis 20 Jahren Privatleuten zum Preis für ein Mittelklasse-Auto im Haushalt zur Hand gehen.

Mit sozialen und politischen Prognosen will sich „2056“ zurückhalten. Ausnahme ist Folge drei (Thema: die Welt): Da bahnt sich zwischen den beiden Supermächten USA und China ein Krieg um die Energiereserven in Kasachstan an. Die Krise entspannt sich erst dank eines Durchbruchs in der Solarforschung. Er gelingt zwei Wissenschaftlern, die in einer Raumstation im Weltall forschen. Zur Arbeit gelangen sie, wie gesagt, mit dem Aufzug. Man sollte den Konstrukteuren des „Space Elevators“ in Los Alamos wirklich Glück wünschen.

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