Medien : Mit dem Klick zur Clique

Kontakte, Konsum, aber kaum Nachrichten – wozu Menschen das Netz nutzen

Sonja Pohlmann

Zumindest diese Nachricht dürfte Ehepartner, Eltern, Omis, beste Freundinnen und Kumpels beruhigen. Enge Beziehungen zur Familie und zu Freunden sind Internetnutzern viel wichtiger als Kontakte in der virtuellen Welt – obwohl noch nie so viele Menschen ihre sozialen Kontakte im Netz geknüpft haben. 12,1 Millionen Menschen gehen dafür online, wie die aktuelle Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA) zeigt.

Seit 1997 beschäftigen sich die Forscher damit, wie die neuen Technologien das Informations- und Konsumverhalten beeinflussen. 10 000 Menschen zwischen 14 und 64 Jahren werden dafür jährlich in Deutschland interviewt. Die Studie für 2007 zeigt: Die Zahl der Internetnutzer schießt weiter in die Höhe. 35,8 Millionen Deutsche gehören laut ACTA-Studie 2007 dazu, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Damit sind 71,7 Prozent der Bundesbürger in der befragten Altersgruppe online. 19,3 Millionen nutzen das Internet sogar täglich. Damit hat sich das Web als Alltagsmedium in weiten Teilen der Gesellschaft fest etabliert.

Kein Wunder, dass sich das auf die sozialen Netzwerke auswirkt. So zeigt die Studie, dass die Menschen mehr kommunizieren wollen – sei es, um dabei Freundschaften zu pflegen, neue Leute kennen- zulernen, Geschäftskontakte zu intensivieren oder vielleicht die große Liebe zu finden. Vor allem jüngere Menschen nutzen das Internet dafür. Wie sehr, unterstreicht die Rangliste der am meisten besuchten Webseiten: Spitzenreiter ist StudiVZ, über 3 Milliarden Mal wurde das Studentenportal im August 2007 (IVW) aufgerufen. Aber online lässt es sich mit dem besten Freund schlecht ein Bier trinken oder mit der besten Freundin tanzen gehen. Über 85 Prozent der ACTA-Befragten betonen deshalb, dass ihre Netz-Kontakte enge persönliche Beziehungen nicht ersetzen können.

Durch die wachsende Internetnutzung ändert sich auch die Art und Weise, wie sich Menschen über das aktuelle Geschehen informieren. So sind Nachrichten aus aller Welt mit Hilfe neuer technologischer Entwicklungen jederzeit abrufbar. Aber damit geht nicht ein gesteigertes Bedürfnis nach Information einher: Während 2003 noch etwa 60 Prozent der Interviewten über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden sein wollen, sind es 2007 nur 56,6 Prozent. Das Internet verzeichnet zwar einen wachsenden Stellenwert als Informationsquelle, doch spielt es in der tagesaktuellen Information eine untergeordnete Rolle. So gaben 32 Prozent der Befragten an, dass Computer und Internet für ihre tägliche Information unverzichtbar sind, doch Nachrichtenmedium Nummer Eins bleibt weiterhin das Fernsehen, gefolgt von Zeitung und Radio – alle drei mit leichten Verlusten.

Das Internet wird daher nicht vorrangig für aktuelle Nachrichten genutzt, sondern dient laut ACTA eher der Information über Produkte und Preise. So gaben 53 Prozent der Befragten an, dafür das Internet zu nutzen. Gleichzeitig wächst auch die Zahl der Online-Käufer. Knapp 60 Prozent der Befragten haben 2007 ihr Geld für Produkte aus dem Netz ausgegeben, 2006 waren es nur etwa 54 Prozent. Doch wer online einkauft, muss meistens seine Adresse preisgeben. Und das finden viele Nutzer nicht gut. So fürchten 61 Prozent der ACTA-Teilnehmer, dass Unternehmen ihre Daten nutzen, um ihnen Werbung zuzusenden. Und 54 Prozent glauben, dass ihre persönlichen Daten im Netz nicht geschützt sind – dass sie selbst es sind, die bei Seiten wie StudiVZ ganz freiwillig persönliche Spuren im Netz hinterlassen, scheint vielen nicht bewusst zu sein.

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