Medien : Mit dem Zweiten lebst du besser

ZDF-Chef Markus Schächter will Claus Kleber halten

Joachim Huber

Das große Tauziehen kann beginnen. Bleibt Claus Kleber beim ZDF, oder wird er Chefredakteur des „Spiegel“? Das Stellenangebot aus Hamburg, ausgesprochen von der entscheidenden Mehrheit der „Spiegel“-Gesellschafter, steht. Nun ist es an ZDF-Intendant Markus Schächter, mit einer Gegenofferte den Leiter und Moderator des „heute-journals“ zum Bleiben zu bewegen. Schächter hat seinen heutigen Terminkalender freigeräumt für ein Gespräch mit Kleber. Der Journalist kommt von einer Drehreise aus den USA zurück. Der „Bild am Sonntag“ sagte Schächter: „Wir wünschen, dass seine Arbeit weitergeht.“

Das ist zurückhaltend formuliert. Schächter will Kleber unter allen Umständen halten. Der 52-jährige Kleber hat enorme Sympathiewerte beim ZDF-Publikum. Auch in seiner Redaktion in Mainz genießt er wegen seines kollegialen Stils und seiner Kompetenz wegen hohes Ansehen. Bei den Vertretern der politischen Parteien, die über den Fernsehrat bei gewichtigen Personalien in Deutschlands größtem Fernsehsender immer mitreden, hat Kleber beste Karten. Der Mann ist ein politischer Nachrichtenmann, der trotz bürgerlichen Zuschnitts allen Parteien so ferne steht, dass er einer nicht zuzuordnen ist. Erst der Journalismus, dann die politische Überzeugung. Affären persönlicher oder anderer Art gibt es beim gebürtigen Reutlinger nicht zu vermelden.

Das viele Lob für Claus Kleber lässt die Frage zu, ob das noch ein Mensch oder schon ein Übermensch ist.

Verlässt er das ZDF Richtung „Spiegel“, dann hat der Mainzer Sender und sein Intendant mehr als nur ein Personalproblem. Hinter Kleber tauchte eine riesige Lücke auf, eine Lücke, die Markus Schächter gar nicht gebrauchen kann. Das Informationsangebot des ZDF besteht im Wesentlichen aus dem „heute-journal“, dem Marktführer bei den Nachrichtenmagazinen im deutschen Fernsehen, und „heute“. Deren wichtigste Ausgabe läuft um 19 Uhr. Da gibt es, nicht zuletzt durch „RTL aktuell“ verursacht, Quotenprobleme und ein handfestes Führungsproblem. Schächter sucht bislang ohne Erfolg eine neue Spitze. Würde Kleber gehen, dann hätte sich dieses Problem für den ZDF-Chef glatt verdoppelt.

Schächter kann für Kleber den „Freiheitsgrad“ im ZDF erhöhen – noch öfter, noch weiter hinaus in die Welt und spannende Reportagen drehen und Analysen in Bild und Ton fassen. Wahrscheinlich wird’s psychologisch. Kleber steht ja vor einem Orts- und einem Berufswechsel. Mainz kann man gegen Hamburg eintauschen. Das Machen eines auflagen- und gewinnorientierten Nachrichtenmagazins aber – mit schwieriger Redaktion und schwer zu kalkulierenden Gesellschaftern – ist deutlich fordernder als das Moderieren einer Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Und den Bildschirm liebt Claus Kleber, wie ihn der Bildschirm liebt. Das alles weiß der einfühlsame Markus Schächter. Nicht jeder Montag muss ein „Spiegel“-Tag sein. Joachim Huber

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