Mit dem Zweiten sieht man schlechter : „Gunnaaaamt!“

Das ZDF hat Werbeplakate aufgehängt, für den Sonntagsfilm des Senders und gegen den "Tatort" der ARD. Ausgerechnet.

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Alternative? Das ZDF wirbt mit seinem Tatort gegen den ARD-„Tatort“.Foto: Mike Wolff
Alternative? Das ZDF wirbt mit seinem Tatort gegen den ARD-„Tatort“.Foto: Mike Wolff

In diesen unsicheren Zeiten gibt es genau noch zwei Konstanten. Das ist die „Tagesschau“ um 20 Uhr, das ist der „Tatort“ am Sonntag, beides in der ARD. Für die Zuschauer-Stalinisten, und das ist die Mehrheit im deutschen Fernsehvolk, muss das exakt so sein. Die „Tagesschau“ ist seit Menschengedenken Marktführer unter den Nachrichtensendungen, an die letzte Quotenniederlage eines „Tatort“ gegen ein Konkurrenzprogramm kann sich keiner erinnern. Das ZDF versucht es jetzt mit einer Mischung aus sehr zarter Ironie und Frontalangriff. Der andere öffentlich-rechtliche Sender hat ein Plakat in Deutschland aufgehängt. Mit dem Bildmotiv und dem Slogan wird das Publikum, vor allem das weibliche, auf die romantische Parallelveranstaltung zu Mord und Totschlag und Düsternis im ARD-Krimi hingewiesen.

Das treibt die Tränen in die Augen. Weniger sind es die Tränen der seufzenden Freude, es sind Tränen der Verzweiflung. Das ZDF darf für seine Programme werben, keine Frage, es muss aber nicht gleichzeitig für teuer Geld die ARD attackieren. Vielleicht ist es eine überkommene, ja naive Vorstellung, dass die beiden Sender zwei Teile eines öffentlich-rechtlichen Systems sind, finanziert über eine Gebühr, und dass sie es insofern nicht nötig haben, außerhalb des Bildschirms aufeinander loszumarschieren. Besonders bitter ist, mit welchem Programm das ZDF gegenüber der ARD auftrumpfen will. Es ist der Sonntagsfilm, das verschnarchteste Angebot der Mainzelmänner in einer ZDF-Woche. Wer je das Niveau der Privaten beklagt hat, der darf über diese Seicht-Konkurrenz nicht schweigen. Es ist, als ob das ZDF zeigen wollte, wie wenig kostbar Gebührengeld ist. Oder zu viel davon hat.

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