Medien : Mit Gott auf einer Wellenlänge

Print, Radio, Fernsehen und Internet: Der Vatikan verbreitet mit eigenen Medien seine Botschaft

Paul Kreiner[Rom]

Jetzt, nach der Wahl Joseph Kardinal Ratzingers zum neuen Papst Benedikt XVI., blickt man auch beim „Osservatore Romano“ nach vorn. Als Johannes Paul II. am 2. April gestorben war, da hatte die sonst so unaufgeregte Vatikanzeitung bereits nach einer Stunde eine Sonderausgabe herausgebracht, die auf allen Straßen Roms zu haben war – allerdings nicht in gewünschter Weise. Fliegende Händler hatten diese schwarzumrandete „Jahrhundert-Ausgabe“ aufgekauft, und was am Kiosk normalerweise 90 Cent kostet – das ist der italienische Zeitungs-Einheitspreis –, war auf dem Schwarzmarkt binnen kürzester Zeit nur mehr für zehn bis hundert Euro zu kaufen. Man kann sicher sein, dass man alles unternahm, um eine Wiederholung dessen nach der Wahl des neuen Papstes zu vermeiden.

Der publizistische Erfolg hatte die Leitung des „Osservatore“ völlig überrannt. 1861 von Pius IX., dem Restaurations-Papst, gegründet, um gegen die Einigung des italienischen Reichs, gegen die Linken, die Freimaurer und gegen die drohende Zerstörung des Kirchenstaats zu polemisieren, führt die amtliche Zeitung des Vatikan heute ein solides Randdasein auf dem italienischen Markt. Technisch unauffällig bis langweilig gemacht, gedruckt wie eh und je in Schwarz-Weiß, enthält das Blatt vorzugsweise Verlautbarungen und Predigten des Papstes oder führender Kurienbehörden – und je kürzer die Ansprachen Johannes Pauls II. im Verlauf seiner Krankheit wurden, in umso größeren Lettern wurden sie gedruckt: Es musste ja der vorgesehene Platz gefüllt werden; ein „Osservatore Romano“ kann schlecht mit weißen Flecken im Blatt erscheinen.

Weit interessanter als die internationalen Nachrichten und die überlangen Feuilletons zumeist (kunst-)geschichtlicher Art, die der dünne „Osservatore“ sonst noch enthält, fanden Beobachter die Personalnachrichten. In Zeiten, in denen sich der Vatikan hinter mindestens ebenso undurchdringlichen Mauern verbarg wie der Kreml in Moskau, waren diese knappen Notizen über Bischofs-, Botschafterernennungen und dergleichen immer auch ein Zeichen für politische Veränderungen. Und in wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen Fragen, die der Vatikan als heikel einstufte, erschienen lange Leitartikel ohne Autorenangabe. Sie durften als die offiziöse Meinung des Vatikan gelten. Sie wurden aus der Behörde lanciert, der das Blatt direkt untersteht: dem Staatssekretariat, der obersten „politischen“ und organisatorischen Behörde der Kurie.

In Zeiten des Internet hat der „Osservatore“ viel an Bedeutung für die Vatikan-Astrologen verloren. Personalnachrichten kommen heute direkt aus dem „Pressesaal des Heiligen Stuhls“, täglich um zwölf Uhr mittags erscheint im Internet das „Bollettino“. Per E-Mail und Newsletter verbreitet es auch der „Vatikan Information Service“ (VIS) in Englisch, Französisch, Italienisch und „Castellano“ – in der Redaktion muss eine besondere Sensibilität für die Spielarten des Spanischen herrschen... Und Johannes Paul II. hat es sich angewöhnt, seine Meinung zur Weltlage persönlich-unverblümt auszudrücken: Zur Ablehnung des Irakkrieges beispielsweise brauchte es keine offiziösen Leitartikel im „Osservatore“ mehr.

Vom „Osservatore Romano“ gibt es auch Wochenausgaben in Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch und – jedenfalls bis jetzt noch – in Polnisch.

Weit wichtiger für die Außendarstellung des Papsttums indes ist während der Wojtyla-Ära das Fernsehen geworden. Das „Centro Televisivo Vaticano“ (CTV), also das Vatikanische Fernsehzentrum, sendet die Bilder von den Papstauftritten, von den Audienzen und Massengottesdiensten nicht nur per Satellit in alle Welt, sondern reicht sie auch an alle nationalen und privaten Fernsehanstalten weiter. Wer Bilder vom Petersplatz haben will, muss sie meistens vom Vatikan übernehmen– damit sehen Zuschauer in aller Welt aber auch nur, was die vatikanische Regie zu sehen erlaubt.

In Italien wird das Vatikan-Fernsehen über den beim Publikum sehr gefragten Privatsender Telepace verbreitet. Telepace ist das private, spendenfinanzierte Unternehmen eines engagierten Priesters aus der Gegend von Verona, das „nichts als der Kirche dienen“ will und seine privilegierten Fernsehbilder, die es aufgrund der engen Zusammenarbeit mit CTV erhält, an andere Fernsehanstalten nur unter zwei Bedingungen weitergibt: Zum einen dürfen die Übertragungen aus dem Vatikan von keinerlei Werbung unterbrochen werden, zum anderen müssen die Sendungen vor und nach dem Kirchenprogramm „im Geiste“ diesem entsprechen.

Zu den klassischen Medien des Papstes gehört nach wie vor Radio Vatikan mit seinem Programm in -zig Weltsprachen und seiner Verbreitung auch über Internet. Es untersteht zwar auch dem Staatssekretariat, genießt aber – gerade die deutschsprachige Sektion unter dem Jesuiten Eberhard von Gemmingen – viel Freiheit. So entsteht ein selbstverständlich kirchennahes, aber dennoch buntes, keinesfalls amtlich-steriles Programm von beachtlichem gesellschaftlichen Horizont.

Einen weit größeren Einfluss zumindest auf die italienische Öffentlichkeit haben katholische Presseerzeugnisse, die nicht unmittelbar zum Vatikan gehören. Die Tageszeitung „Avvenire“ („Zukunft“) untersteht der italienischen Bischofskonferenz und fährt in ihrem Sinne einen gesellschaftlich-politisch streng konservativen Kurs und pflegt – aus schierer Abneigung gegen die für durchweg „kommunistisch“ gehaltene Linke – eine freundliche Nähe zur Regierung Silvio Berlusconi. Halbamtlich, dafür umso bunter, ist die Wochenillustrierte „La Famiglia Cristiana“. Sie wird von einer Ordensgemeinschaft herausgegeben und zählt bei mehr als drei Millionen Lesern zu den drei größten Illustrierten Italiens - weit vor vielen Magazinen aus dem Regenbogen-Bereich.

Geschlagen wird die „Christliche Familie“ nur von einer Fernseh- und Schlagerzeitschrift, sowie von der wahren Passion der Italiener(innen): von der seit fünfzig Jahren in Aufmachung und Inhalt unverwüstlichen „settimana enigmistica“, der „Rätselwoche“, einem DIN-A5 Heft voller Kreuzwort- und Bilderrätsel.

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