Medien : Mit Hakenkreuz und Pickel

„Weiße Hölle Himalaja“: Guido Knopp hat ein neues Thema

Thomas Gehringer

Wolken, die bedrohlich malerische Gipfel verhüllen. Männer, die im Gegenlicht mühsam durch den tiefen Schnee stapfen. Dramatische Musik und dazu ein Kommentar, der vom „Gipfel mit der Aura des Todes“ und vom „Mörderberg“ raunt. Es ist unverkennbar, wer da vom Mainzer Lerchenberg aus zum 50. Jahrestag der Erstbesteigung des Mount Everest den ultimativen Aufstieg wagt: Guido Knopp. Nicht dass er seine Fönfrisur von den eisigen Himalaja-Winden zerzausen ließ, aber die Handschrift von Knopp und seiner Mainzer Zeitgeschichtler bleibt offenbar in schwindelnder Höhe unverändert: Folgerichtig heißt die zweiteilige Dokumentation in der bekannten, überaus dramatischen Knopp-Diktion „Weiße Hölle Himalaja“ (heute und am 20. Mai um 20 Uhr 15 im ZDF). Der Sender bietet in den nächsten Tagen außerdem eine Koproduktion mit der BBC ausschließlich über die Erstbesteigung Edmund Hillarys im Jahr 1953 („Wettlauf um die Weltspitze“, 18. Mai) sowie einen Film über spätere Rekorde am höchsten Berg der Welt („Höhenrausch am Everest“, 29. Mai).

Knopp und seine Autoren Florian Hartung und Christian Deick widmen sich dagegen der deutsch-österreichischen Perspektive. Zeitgleich mit der britischen Expedition auf den Mount Everest (8848 m) wollten Bergsteiger um den Innsbrucker Hermann Buhl erstmals den Nanga Parbat (8126 m) im westlichen Himalaja bezwingen, der dank eines extrem langen Aufstiegs als schwierigster Berg der Erde gilt. Die Stilisierung beider Expeditionen zum „Wettkampf“ wirkt allerdings etwas bemüht. Hillary, der hier in einem „exklusiven Interview“ über seine Erlebnisse Auskunft gibt, musste vor allem französischen und Schweizer Bergsteigern zuvor kommen, die die nächsten Versuche am Mount Everest hätten starten dürfen.

Und bevor man allzu lange grübelt, wieso es eigentlich Guido Knopp in den Himalaja verschlagen hat, weht schon eine Hakenkreuzfahne durchs Bild. Tatsächlich scheiterten 1934 und 1937 deutsche Expeditionen am Nanga Parbat auf tragische Weise. Mit ihnen sollten Bergsteiger zum ersten Mal überhaupt einen Achttausender erklimmen. Oder vielmehr „für Deutschland erobern“, so Willy Merkl, der 1934 durch einen Orkan ums Leben kam. 1953 organisierte ein Halbbruder Merkls die von Hermann Buhl zum Erfolg geführte Expedition.

Da lässt einen freilich nicht nur die Winterlandschaft, sondern auch der Zeitgeist gefrieren: „Wir geloben, ehrenhafte Kämpfer zu sein“, rufen die Bergsteiger in einem damals gedrehten Dokumentarfilm im großen Chor. „Zum Ruhme der Bergsteigerei in der ganzen Welt und zur Ehre unseres Vaterlandes. Berg heil!“

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