Mit Leib und Seele : Aus Prinzip gut

Dieter Pfaff ist als Anwalt Ehrenberg zurück. "Der Dicke" ist der legitime Serien-Erbe von "Liebling Kreuzberg"

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Sucht ein Mädchen: Rechtsanwalt Gregor Ehrenberg (Dieter Pfaff). Foto: ARD
Sucht ein Mädchen: Rechtsanwalt Gregor Ehrenberg (Dieter Pfaff). Foto: ARDFoto: ARD/Georges Pauly

„… und übrigens, die Sechziger waren geil!“, ruft Gregor Ehrenberg (Dieter Pfaff) aus der Küche. Da sitzt er in seiner ganzen Fülle, gibt dem Baby seiner Kanzleigehilfin Yasmin (Sophie Dal) das Fläschchen und weigert sich, dem neuen Vermieter überhaupt nur guten Tag zu sagen. Weil einer wie er mit einem wie dem schon aus Prinzip nicht redet.

„Der Dicke“ ist zurück, 13 neue Folgen à 45 Minuten. Bei Folge 40 geht es weiter, da ist Yasmin hochschwanger, hat aber dem Kindsvater Lars (Matthias Ziesing) noch immer nicht gesagt, dass er Familie bekommt. Gudrun, die wackere Reinigungsfachkraft (Katrin Pollitt), will mit ihrem Mann Gerd (Josef Heynert), Polizist im Revier um die Ecke, ein Kind adoptieren. Erst einmal wird sie aber Patentante von Yasmins Baby, das überhaupt allen gehört, die in der Kanzlei im Eckladen in Hamburg-Altona zu Hause sind.

„Der Dicke“ ist der legitime Anwaltsserien-Erbe von „Liebling Kreuzberg“, eine Mischung aus Sitcom, Ohnsorgtheater und sozialem Anliegen. Ehrenberg und seine Kollegin Isabel von Brede (Sabine Postel), so etepetete sie sonst sein kann, setzen sich grundsätzlich für die Schwachen ein und nehmen es dabei mit der juristischen Arbeit nicht immer so genau. Wem gehört eine Jugendliche, deren Eltern sich gegenseitig über das Sorgerecht fertigmachen und dabei ihr Kind vergessen? Wem gehört der Kiez, wenn ein Vermieter eine alte Mieterin aus dem Haus terrorisieren will?

Die Fälle sind nicht besonders ausgeklügelt. Drehbuchautor Thorsten Näter, der alle Folgen von „Der Dicke“, Bücher für viele „Tatort“-Folgen, „Bella Block“, „Wilsberg“ oder „Ein starkes Team“ geschrieben hat, lässt nie Zweifel daran, wer die Guten und wer die Bösen sind. Regie haben in der neuen Staffel fünf Regisseure geführt, darunter Lars Jessen und Thomas Jauch. Die munteren Dialoge in der Kanzlei wirken hin und wieder etwas ausgedacht. Manchmal kommt die Sache auch ins Schwingen. Uwe Bohm spielt mit sichtlichem Vergnügen den schmierigen Kiezkönig Matuschek, der Isabel von Brede den Hof macht. Matthias Ziesing lässt Lars vor bemühter Lockerheit fast zusammenbrechen, als er Yasmins verständnisvollen deutsch-türkischen Eltern vorgestellt wird.

Zentrum ist natürlich Dieter Pfaff, der von seinem enormen Leibesumfang sagt, er brauche ihn als Gegengewicht zu seiner Sensibilität. „Der Dicke" ist keine vielschichtige Herausforderung wie „Bloch“ und gar keine Paraderolle wie „Sperling“. Aber Pfaff darf das tun, was er gut kann – den Menschenfreund und gelegentlich einen Scherz unter der dicken Polsterung hervorkitzeln. Susanna Nieder

„Der Dicke“, 20 Uhr 15, ARD

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