Medien : Mit Locke und Rousseau auf einer Tropen-Insel

Pro7 startet die zweite Staffel von „Lost“

Mercedes Bunz

Es geht wieder los: Heute beginnt die zweite Staffel der US-Serie „Lost“ auf Pro7. Wieder werden die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes auf einer tropischen Insel von geheimnisvollen Begebenheiten bedroht, die im zweiten Teil noch etwas bedrohlicher werden. Mysteriöse Vorkommnisse spielten zwar schon in der ersten Staffel eine Rolle, sie handelte aber vor allem vom Kampf um das Überleben und die Vorgeschichte der Überlebenden. Nun wird in dieser modernen Robinsongeschichte das Unheimliche der Insel selbst zum Thema. Die Grundstruktur der Serie – pro Folge den Rückblick auf das Vorleben einer ihrer Charaktere zu werfen – bleibt bestehen, zugleich prasseln die verschiedensten Bedrohlichkeiten auf die Überlebenden ein. Sie sind auf der Insel nicht allein, „die Anderen“, welche die Insel ebenfalls bewohnen, scheinen alles andere als freundlich gesinnt. Mysteriöse bio-technologische Forschungen haben Spuren auf der Insel hinterlassen, der Gegensatz von „Glaube und Wissenschaft“, wie der Titel der ersten Folge lautet, ist ein zentrales Motiv der zweiten Staffel.

Auch wenn einem diese Fülle an mysteriösen Vorgängen manchmal etwas zu viel wird, im Großen und Ganzen ist es dem erfolgreichen Drehbuchschreiber J.J. Abrams in der zweiten Staffel wieder gelungen, verschiedene Motive und Handlungsstränge gekonnt miteinander zu verweben. Ein Kunststück, vor allem, wenn man sich überlegt, dass der vierzigjährige Nerd dem Fernsehpublikum zur besten Primetime mit literarischen und philosophischen Verweisen jede Menge kulturelles Wissen unterjubelt. Neben vielen anderen Beispielen hat er drei Hauptdarsteller nach Philosophen benannt, nach John Locke, Jean-Jacques Rousseau und Edward Said. Kein Wunder, dass mit einem solchen Subtext die Serie in den USA nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Kritikern ein großer Erfolg wurde und vom Golden Globe bis zum Emmy jede Menge Preise einheimste.

Grund für diesen Erfolg ist aber auch die finanzielle Ausstattung. Dass die Serie mit einem hohen Budget gedreht wird, das sieht man ihr an. Doch die Produktion der Serie ist nicht nur auf Grund des Drehorts Oahu auf Hawaii extrem teuer, nach „Desperate Housewives“ ist „Lost“ außerdem die Serie mit den meisten Sprechrollen. Dass sie auch mit dem bis dato kostspieligsten Pilotfilm der US-amerikanischen Fernsehproduktion begann – man munkelt von Produktionskosten zwischen 10 und 14 Millionen Dollar – führte zur Entlassung des Ex-Entertainement-Chefs von ABC, Lloyd Braun. Er gab für die Serie grünes Licht. Hauptaktionär Disney feuerte ihn daraufhin, lange bevor die Serie anlief und zu einem großen Erfolg für den bis dato etwas müden Sender ABC wurde. In Deutschland hat sich das nicht ganz wiederholt, die Quoten der ersten Staffel bei Pro7 waren durchwachsen.

„Lost“, Pro7, 20 Uhr 15

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