Mit neuem Sender : "Promi Big Brother" startet auf Sat 1

Sat 1 macht einen auf RTL-„Dschungelcamp“ und holt "Promi Big Brother" mit David Hasselhoff ins Programm. Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher geben das Moderatoren-Duo.

von
He has been looking for freedom, aber jetzt zieht David Hasselhoff ins „Big Brother“-Haus ein. Das steht nicht in Kalifornien, sondern in Berlin-Adlershof. Immerhin. Foto: Reuters Foto: REUTERS
He has been looking for freedom, aber jetzt zieht David Hasselhoff ins „Big Brother“-Haus ein. Das steht nicht in Kalifornien,...Foto: REUTERS

Das „Dschungelcamp“ zieht von Australien nach Berlin-Adlershof und heißt dann „Promi Big Brother“. Außerdem wechselt die Kopie vom Original den Sender: Nicht RTL sondern Sat 1 lockt von Freitag an mit 15 Tagen Dauerbeobachtung. Der Einzug der Kandidaten und die Kür der Gewinnerin/des Gewinners werden in einer Liveshow übertragen, dazwischen gibt es täglich um 22 Uhr 15 ein „Best of“ im Sat-1-Progamm.

Der Privatsender will den Erfolg des Konkurrenten – RTL setzt mit dem „Dschungelcamp“ immer zu Jahresbeginn ein Ausrufezeichen – aufnehmen und möglichst wiederholen. Dafür wird „Big Brother“ aus dem Fernseharchiv geholt. Das Format hatte bei seinem Start 2000 bei RTL 2 Furore gemacht. Zehn Dus und Ichs hatten sich in einen Container sperren und von Dutzenden Kameras beim Zeittotschlagen und kleinen Aufgaben beobachten lassen, nur die Toilette war tabu. Das war neu, das war in seiner raffinierten Sinnlosigkeit aufregend.

Guido Westerwelle wollte sich im Premierenjahr ein großes Stück von der öffentlichen Aufmerksamkeit abschneiden, die bekam er und brauchte lange Zeit, um sich vom Ruf des „FDP-Spaßpolitikers“ zu erholen. Dass 2004 die „Jacob Sisters“ einrückten, zeigte schon, was „Big Brother“ und auch das „Dschungelcamp“ an wirklichem Ruhm versprechen konnten: ein kleines Schlaglicht für B-, C- und D-Promis. 2011 war das Interesse am teuer produzierten „Big Brother“-Format endgültig erloschen, jetzt war das schärfer akzentuierte „Dschungelcamp“ mit seinen herausfordernden (Ekel-)Prüfungen angesagt.

Wenn Sat 1 jetzt in leicht ironischer Umkehrung des RTL-Slogans – „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ – wirbt: „Ich bin ein Star – Lasst mich hier rein!“, dann ist das nur ein Viertel der Wahrheit. „Promi Big Brother“ rekrutiert Medien-Menschen, die schon vergessen sind. Bei aller Geheimniskrämerei um die zehn Insassen werden neben dem Hund „Hurra“ erste Namen kolportiert: Schauspieler Martin Semmelrogge, 57, Moderatorin Marijke Amado, 57, die 37-jährige Musikerin Lucy Diakowska („No Angel“), Percival Duke, 44 und Teilnehmer der Sat-1-Show „Voice of Germany“. Alles Namen, die sich auf „Ex“ reimen. Auch der US-amerikanische Rettungsschwimmer David Hasselhoff („Baywatch“) kommt nach Berlin-Adlershof. Wäre es nicht ein Kracher, wenn der 61-jährige Gelegenheitssänger nicht bei jeder passenden wie unpassenden Gelegenheit – wie zum Beispiel bei den erlaubten Botschaften in die sozialen Netzwerke hinein – „I have been looking for freedom“ intonieren würde? Würde sich als Titelsong anbieten. Der aber kommt von der norwegischen Band „Madcon“ und heißt „The Signal“.

"Die Zeiten der uneingeschränkten Vormachtstellung der Kollegen aus Köln ist vorbei"

Sat-1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow lässt sich das große Ereignis nicht madig machen: „Wir haben mit unseren großartigen Shows ,The Voice Kid’ und ,Got to Dance’ dieses Jahr bewiesen, dass wir gute, moderne Unterhaltung machen und die Zeiten der uneingeschränkten Vormachtstellung der Kollegen aus Köln vorbei sind.“

Stimmt schon, dass RTL, über Jahre der Marktführer im deutschen Fernsehen und insbesondere beim jungen Publikum die Nummer 1, stark abgebaut hat. Das ZDF und die ARD sind an RTL vorbeigezogen. Und Sat1? Hält im September 2013 bei acht Prozent Marktanteil, früher waren zweistellige Werte Regel und Anspruch. „Promi Big Brother“, von der Produktionsfirma Endemol mit 150 Leuten in Berlin-Adlershof ins Bild gesetzt, soll zeigen, dass Sat 1 nicht der langweiligste Sender unter den Top vier im deutschen Fernsehen ist und sich mit eigener Kraft und mit eigenem Erfolg dagegen wehren kann, dass an ProSieben, das zur selben Fernsehfamilie, nämlich ProSiebenSat1 gehört, zwar das „TV-Duell“ abgetreten werden muss, trotzdem aber Sat 1 in der Gruppe als Anführer gesehen werden muss. ProSieben hält mittlerweile bei einem Marktanteil von 7,2 Prozent im Gesamtpublikum.

Sat 1 lässt auch bei den Moderatoren nichts unversucht, damit seine „Big Brother“-Variante reüssiert. Sorry, aber selbst hier blitzt die nächste Gemeinsamkeit mit dem „Dschungelcamp“. Auch bei Sat 1 führt ein Duo mit Ätz-Charakter durch die Show. Was bei RTL mit Daniel Hartwich (oder früher Dirk Bach) und Sonja Zietlow besetzt war, das sind beim Konkurrenten Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher. „Die Bewohner sollten uns und vor allen Dingen den Zuschauern nicht auf den Sack gehen“, sagte die 41-jährige Cindy der dpa. „Wenn Leute anfangen zu nerven, dann finde ich das nicht immer gut.“ Tja, ob sie und der 35-jährige Pocher nicht selber die größte Gefahr darstellen?

„Promi Big Brother“, Sat 1, Freitag , um 20 Uhr 15

Autor

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben