Medien : Mit Stil und Schwung

Matthias Kalle

Es gab mal eine Zeit, da bestand das Programm des deutschen Fernsehens nicht ausschließlich aus Fußball, sondern aus anderen Dingen, Dingen, die man nicht benennen konnte, englische Bezeichnungen mussten aushelfen, aber ich weiß zum Beispiel bis heute nicht, was eine Panel-Show ist. Bei der Weltmeisterschaft aber, da verstehe ich das Programm, auch den Programmauftrag, da macht das, was gesendet wird, immer Sinn, denn es gibt ein Ereignis und einen Grund, und das ist zwingend, um gutes Fernsehen zu machen. Jetzt wird es bis zum Freitag keinen Fußball geben, jedenfalls kein Spiel, und was macht das Fernsehen? Da weiter, wo es am 8. Juni aufgehört hat, und das ist die schlechte Nachricht. Noch schlechter allerdings ist die Nachricht, dass ab dem 10. Juli das Fernsehen wieder das ist, was es mal war, und nicht wird, was es sein könnte, und was es sein könnte, das bewiesen die Macher auch am Dienstag, dem letzten Spieltag des Achtelfinals, und selbst Kommentator Steffen Simon, der Verben in der Sprache ablehnt, konnte die Begegnung zwischen Brasilien und Ghana nicht kaputt schreien, obwohl er alles dafür tat, dass auch neutralste Zuschauer auf die Seite Brasiliens wechselten – so viel Mitleid empfand er für Ghana. Was bei dieser WM die Schiedsrichter auf dem Platz sind, sind die Kommentatoren im Fernsehen: umstritten. Unumstritten bleibt aber, dass die Aufbereitung eines Spieltages fast immer gelingt (von Komikversuchen am Ende einmal abgesehen), dass sich die Macher Mühe geben. Vielleicht sollte Jürgen Klopp nach der WM die Tagesthemen analysieren. Der nordirische Fußballspieler Danny Blanchflower sagte einmal etwas, das so auch auf das Fernsehen passt: „Es geht um Ruhm und darum, die Dinge mit Stil und Schwung zu erledigen. Also rauszugehen, um den anderen Haufen zu schlagen, und nicht zu warten, bis sie vor Langeweile sterben.“ Verstanden?

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