Medien : Mitarbeit erwünscht?

Eine Doku und ihre Entstehung: Neue Fragen nach der Ablösung des ARD-Schwimmexperten Seppelt

Frank Bachner

Peter Grube erkennt einen Auerbachsalto, er kann auch eine Eintauchphase beurteilen, das gehört einfach zu seinem Job. Grube ist der Kunst- und Turmsprungexperte der ARD. Die Live-Kommentierung von Schwimmwettbewerben gehörte nicht zu seinem Job. Bis jetzt jedenfalls. Ab sofort ist das anders: Am Dienstag beginnen in Berlin die Deutschen Schwimm-Meisterschaften, die ARD berichtet davon live im Wechsel mit dem ZDF, und am ARD-Mikrofon soll dann der Kunst- und Turmsprungexperte Grube sitzen.

Das ist die neueste Entwicklung im Streit um die Ablösung von ARD-Schwimmexperte Hajo Seppelt als Live-Kommentator. Ein Nichtexperte spielt den Lückenbüßer, bis der nächste Schwimm-Neuling ans Mikrofon darf. ARD-Neuzugang Tom Bartels, Fußball- und Skisprungexperte, wird live von der Schwimm-Europameisterschaft im August in Budapest berichten. Aber noch ist Bartels für RTL bei der Fußball-WM im Einsatz. Sportkoordinator Hagen Boßdorf, mitverantwortlich für Seppelts Ablösung, hatte zwar dem Tagesspiegel erklärt, Seppelt könne bei den nationalen Titelkämpfen letztmals live kommentieren, wenn er denn wolle. Doch Seppelts Antwort steht noch aus, offiziell ist bis jetzt jedenfalls Grube eingeteilt. „Zu ARD-internen Dingen möchte ich mich nicht äußern“, sagte Seppelt gestern.

ARD-intern haben sich die Redakteursvertretung des WDR und der Redakteurausschuss des NDR zum Fall Seppelt geäußert, und zwar kritisch. In einem Brief an WDR-Intendant Fritz Pleitgen heißt es: „Mit Sorge verfolgen wir die aktuelle Diskussion über die Dopingberichterstattung in der ARD.“ Boßdorf hatte Seppelts Ablösung auch damit begründet, dass Seppelt sich jetzt auf sein zweites Spezialgebiet Doping konzentrieren könne. „Wir wollen zunächst nicht ausschließen, dass es sich bei dieser Erklärung um eine nachgeschobene ,Beruhigungspille’ für die Öffentlichkeit handelt.“ Schon ein nicht schlüssig ausgeräumter Verdacht, Seppelt sei wegen seiner Kritik an der Dopingberichterstattung in der ARD degradiert worden, „wäre ein gewaltiger Imageschaden für die ARD“. Pleitgen solle das Thema bei der Intendantentagung der ARD, die heute und morgen in Straßburg stattfindet, zur Sprache bringen. Auch die NDR-Redakteure fordern die Wiedereinsetzung Seppelts. „Kritischer Journalismus muss auch in der ARD möglich sein“, heißt es in ihrer Erklärung. Eine solche Solidarität für einen Reporter hat es in der ARD vermutlich seit vielen Jahren nicht mehr gegeben.

In einem Interview mit dem Inforadio des RBB erklärte Boßdorf am Sonntag, dass Seppelt von Anfang an für die Dokumentation über Doping im Radsport, die am 28. Juni ausgestrahlt wird, als Mitarbeiter vorgesehen war. Das Projekt wurde schon vor Wochen konzipiert. Seppelt hatte erklärt, er habe erst vor knapp zwei Wochen eine Anfrage erhalten. In dem Konzept der Doku, das dem Tagesspiegel bekannt ist, stehen als Autoren „Hagen Boßdorf“ und „Uli Fritz“ sowie unter „Red. Mitarbeit: Ralf Meutgens“ und unter „Redaktion: Gabi Bohr“, aber der Name Seppelt fehlt. Ob der RBB-Reporter gleichwohl als Mitarbeiter vorgesehen war, ist nicht bekannt.

In Straßburg steht der Fall Seppelt auf der Tagesordnung, RBB-Intendantin Dagmar Reim will die Personalie ansprechen. Aber es geht auch um Boßdorf. Die Indendanten werden entscheiden, ob dessen Vertrag als Sportkoordinator verlängert wird. Wenn nicht, könnte der frühere ORB-Sportchef und -Chefredakteur Boßdorf zum RBB zurückkehren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben