Medien : Mobilität und Massenmarkt

Games Convention: Die Branche setzt auf Familienfreundlichkeit und neue Geräte

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Noch größer, noch lauter, noch voller: In ihrem vierten Jahr hat sich die Games Convention endgültig als die wichtigste europäische Messe für Computer und Videospiele etabliert. Nicht nur für das überwiegend junge Publikum, das sich bis Sonntag durch vier Hallen des Leipziger Messegeländes schiebt. Auch die Hersteller haben Gefallen an der spätsommerlichen Produktshow gefunden: Alle relevanten Firmen der Spielebranche sind auf der Messe präsent – vom US-Giganten Electronic Arts über den japanischen Videospiel-Veteranen Sega bis zu Microsoft. 189 Neuheiten, darunter 98 Welt- und 52 Deutschlandpremieren zeigen, dass es für die Videospieler nicht nur um immer bessere Technik, sondern vor allem um möglichst interessante Titel wie die neuen Abenteuer der Pixelheldin Lara Croft geht.

Die Hoffnungen etlicher Spielehersteller ruhen auf der Fußball-Weltmeisterschaft. Konami stellt auf der Messe die Weltpremiere von „Pro Evolution Soccer 5“ vor – die in Europa viermillionenfach verkaufte Reihe macht den „Fifa“-Produkten von Electronic Arts zunehmend Konkurrenz. Und selbst der altgediente Videospielheld Mario tritt in „Mario Smash Football“ als Kicker an, öffentlich unterstützt von Bayern-Jungstar Philipp Lahm.

Doch es gibt in Leipzig auch neue Ideen zu sehen: Mit „Nintendogs“ will Nintendo an den Erfolg des Gameboy-Titels „Pokémon“ anschließen. Das Spiel lässt den Benutzer eine virtuelle Welpe aufziehen. Mit dem berührungsempfindlichen Bildschirm wird das Tier gestreichelt und bestraft, über das eingebaute Mikrofon gibt der Hundehalter Sprachkommandos. In Japan ist das Spiel vor allem bei Mädchen und jungen Frauen ein Renner. Der Trend zu interaktiven Spielen, die nicht mehr über die kleinen Tasten, sondern auf fast schon natürliche Weise über Kameras, Mikrofone oder den Bildschirm gesteuert werden – siehe Sony mit dem Hüpfspiel „Eye Toy“ oder dem Karaoketitel „Singstar“ – bleibt damit weiterhin aktuell.

Während Sony im Heimbereich weiter auf die Playstation 2 baut und das Nachfolgesystem anders als Konkurrent Microsoft noch nicht thematisiert, heißt die eigentliche Neuigkeit Playstation Portable (PSP). Das neue Unterhaltungsgerät, das vor allem dem Gameboy Marktanteile abtrotzen soll, ist nicht allein zum Daddeln da. Auf speziellen Mini-DVDs erscheinen zum Start Anfang September auch Dutzende Hollywood-Filme. Bei Sony hofft man darauf, mit der Playstation Portable wieder einen so großen Erfolg wie mit dem Walkman in den 80er Jahren zu erzielen.

Die große Bedeutung der diesjährigen Games Convention für die Hersteller der Konsolen und die Entwickler der Spiele ergibt sich auch aus dem bevorstehenden Generationswechsel bei ausgewachsenen Konsolen. Vor allem Microsoft, bislang die Nummer zwei, greift mit seiner Xbox 360 Branchenprimus Sony an, will ihn sogar auf die Plätze verweisen. In Leipzig wurde am Mittwoch zum ersten Mal der US- und Europapreis der kommenden Konsole genannt. 300 Euro soll die einfache Variante des Videospielsystems kosten, das zu Weihnachten auf den Markt kommen soll. Die Vollversion wird es für 400 Euro geben.

Das neue Microsoft-Gerät weist in die Richtung, in der sich die interaktive Unterhaltung in den kommenden Jahren bewegen wird: Auf der einen Seite stehen Spiele in High-Definition-Qualität, auf der anderen Seite die kontinuierliche Internet-Anbindung. Wie in den letzten Jahren auf PC rückt nun auch bei Konsolen das Online-Spielerlebnis in den Vordergrund – vom Sofa aus durchstreift man an der Seite weltweit verstreuter Spieler die bunten Zauberwelten von „Final Fantasy 11“ oder liefert sich in „Need for Speed Most Wanted“ furiose Rennen durch detaillierte Stadtlandschaften.

Ein Thema, das seit dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium jede Games Convention begleitet, ist die Gewalt in Computerspielen. Für die Messe behilft man sich damit, durch abgetrennte Bereiche und farbige Alters-Armbänder Kinder und Jugendliche von Action- und blutrünstigen Inhalten fernzuhalten. Doch bereits bei der Entwicklung neuer Spiele wird der Kritik an allzu brutaler Ballerei offenbar inzwischen Rechnung getragen, vor allem bei Spielen, die auch auf den deutschen Markt gelangen sollen. In Leipzig bleibt darum der Großteil der vorgestellten Titel jeder Altersgruppe zugänglich – das dient schließlich auch dem Geschäft.

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