Mode : "Ich muss unbedingt nach Brasilien“

Suzy Menkes ist die bekannteste Modejournalistin der Welt. Zur Berliner Fashion Week kommt sie nicht - sie wusste gar nicht, dass die Modewoche stattfindet.

Menkes
La Menkes. Mit ihrer Haartolle fällt Suzy Menkes bei jeder Modenschau sofort auf. -Foto: AFP

Frau Menkes, morgen startet die Fashion Week in Berlin, Sie werden allerdings nicht dabei sein. Finden Sie die Modewoche etwa nicht wichtig genug?

Oh, ich muss zugeben, dass ich bis gerade gar nicht wusste, dass jetzt in Berlin eine Fashion Week stattfinden wird. Die Termine für die Modewochen in Mailand, Paris und New York im nächsten Jahr stehen dagegen längst in meinem Kalender.

Dann ist also eine scheinbar schlechte Pressearbeit der Grund und nicht Ihr mangelndes Interesse an Berlin?

Nein, es liegt sicher nicht an Berlin. Obwohl ich in letzter Zeit nicht dort war, glaube ich, dass Berlin im Moment eine sehr interessante Stadt ist, was Mode angeht. Zumindest spricht die vibrierende Szene der Künstler und Fotografen dafür, Mode und Design bleiben davon sicher nicht unbeeinflusst.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, über welche Shows Sie berichten?

Es gibt so viele Modewochen auf der ganzen Welt, am liebsten würde ich meine ganze Zeit und das ganze Geld meiner Zeitung dafür aufbringen, in Asien und Europa nach neuen Talenten zu suchen. Das wäre ein wunderbares Leben.

Was hindert Sie?

Journalisten der „International Herald Tribune“ akzeptieren niemals Reisen, die gesponsert werden. Also muss ich jede Reise ins Ausland ganz genau planen, um unser Budget nicht zu sprengen. Im März bin ich beispielsweise nach Indien geflogen, um mir in Mumbai die Lakme Fashion Week anzusehen. Danach konnte ich aber nicht weiter nach Dehli reisen, um mir dort die Shows anzusehen. Immerhin war ich dafür in den letzten Jahren in Tokyo und Moskau, wo es übrigens gleich drei unterschiedliche Modewochen gibt.

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Ich muss unbedingt nach Brasilien – leider konnte ich bislang meine Redaktion nicht davon überzeugen, dass die wunderschönen brasilianischen Mädchen in ihren Bikinis ein gutes Thema wären, über das ich als Moderedakteurin schreiben könnte.

Die Berliner Modeszene bekommt also in nächster Zeit keine Chance, von Ihnen unter die Lupe genommen zu werden?

Ich bin mir sicher, dass es in Deutschland einige interessante Designer gibt. Vor einigen Jahren habe ich sogar einen Artikel über deutsche Modemacher geschrieben, allerdings über solche, die außerhalb ihres Landes arbeiten.

Was sind denn die größten Fehler, die Ihnen bei deutschen Designern einfallen?

Ich ordne die Modemacher gar nicht nach ihrer Nationalität ein. Für mich sind alle großen Designer international. Das zeigt allein schon die Wahl der Orte, wo sie ihre Kollektionen präsentieren. Die britische Marke Burberry zeigt ihre Mode während der Mailänder Woche, japanische Designer haben sich schon seit langem auf Paris festgelegt.

Was müsste denn in Berlin passieren, damit die Fashion Week international noch renommierter wird?

Ich könnte mir vorstellen, dass eine Kombination aus Kunst- und Kulturwoche interessant wäre, die dann Mode mit einschließt. In Antwerpen in Belgien gab es beispielsweise schon solche Events. Das würde ich mir auch in Berlin wirklich gerne ansehen – vorausgesetzt, ich werde rechtzeitig darüber informiert.

Das Interview führte Sonja Pohlmann.

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