Medien : „Moderator, nicht Diktator“

Ludwig Bauer kommt von München nach Berlin. Er will Sat 1 sanieren

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Herr Bauer, wird der Berliner Fernsehsender Sat 1 jetzt von München aus zwangsverwaltet? Immerhin kommt der Fernsehvorstand der ProSiebenSat1Media AG nach Berlin, um „programmliche Schwächen“ bei Sat 1 zu beseitigen.

Natürlich wird Sat 1 nicht zwangsverwaltet. Dass der Fernsehvorstand nach Berlin kommt, heißt doch nur, dass wir in einer gemeinsamen Situation, nach den schlechten NeunMonatszahlen von Sat 1, den Sender wieder nach vorne bringen wollen. Ich verstehe mich als Moderator und nicht als Diktator.

Wie hat Sat-1-Programmchef Martin Hoffmann auf „Big Brother“ von der Isar reagiert?

Wir haben es gemeinsam besprochen und entschieden – und zwar im Interesse eines nachhaltigen Turn-Arounds von Sat 1. Gemeinsam geht es besser.

Wer ist als Erster auf diese Idee gekommen?

Wir hatten beide die Idee. Jetzt können Entscheidungsprozesse abgekürzt werden. Martin Hoffmann macht Vorschläge, ich werde sie prüfen, und dann wird gemeinsam entschieden. Der neue Schwerpunkt meiner Vorstandsarbeit wird schon ab dieser Woche in Berlin liegen.

Die Senderfamilie ProSiebenSat 1 wird das Jahr 2002 mit roten Zahlen abschließen. Größter Verlustbringer ist Sat 1. Was macht Sat 1 falsch, was muss sich im Programm schnell ändern?

Die Frage ist schon falsch. Der Konzern wird 2002 keine roten Zahlen schreiben. Wir gehen davon aus, dass wir ein positives Vorsteuer-Ergebnis im zweistelligen Millionenbereich haben werden. Die Situation bei Sat 1: Die Fußball-WM war unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kein Erfolg. Die Kosten für die Bundesliga waren zu hoch. Ansonsten arbeitet Sat 1 auf vielen Programmfeldern wie Dienstags-Movies, Serien und Comedy sehr erfolgreich. Nur müssen diese Erfolge noch besser kommuniziert und vermarktet werden. Wachstumsreserven gibt es am Vorabend und bei einigen Programmfenstern am Wochenende.

Die Stimmung unter den Sat-1-Mitarbeitern war schon einmal besser…

Das kann ich so nicht bestätigen. Außerdem: Es muss mit den vorhandenen Ressourcen gewirtschaftet werden. Das tragen auch alle mit. Jeder sieht doch, was im Printbereich, was bei n-tv passiert …

…bei n-tv sollen 140 Mitarbeiter entlassen werden …

…da gibt es keinen Grund für schlechte Stimmung bei Sat 1.

Das Gerücht hält sich: Sat 1 macht mit der Bundesliga-Show „ran“ Quoten, verdient aber kein Geld damit. Im Gegenteil. Wie lange will sich Sat 1 dieses verlustreiche Engagement denn noch leisten?

Das ist letztlich eine wirtschaftliche Überlegung: Wie attraktiv ist „ran“ beim Zuschauer, im Werbemarkt, wie hoch sind die Kosten für die Rechte. Ist das ein sinnvolles Geschäft? Wir sind mitten in der Bundesliga-Saison, da können wir noch nicht sagen, wie die Sendung am Ende dasteht. Bei der Werbevermarktung ist noch Potenzial drin. Die Entscheidung, ob Sat 1 „ran“ fortgesetzt wird, fällt Anfang 2003. Auch wichtig bei der Entscheidung: „ran“ ist ein entscheidender Hebel für den Marktanteil des Senders, für seine Positionierung.

Bisher galt in der ProSiebenSat1 Media eine Faustregel: Pro 7 und Kabel 1 machen Gewinn, Sat 1 und N 24 machen Verlust, in der Summe bleibt ein Plus übrig. Jetzt herrscht Werbeflaute, ist Zeitschriften-Verleger Heinz Bauer als Mehrheits-Eigner angekündigt. Soll heißen: Bevor Heinz Bauer bei Sat 1 regiert, muss Ludwig Bauer den Sender sanieren.

Ihre Faustregel ist mir komplett neu. Jeder Sender der AG muss eine ordentliche Rendite erwirtschaften. Das hat nichts mit einem neuen Gesellschafter zu tun, das sind wir allen Aktionären und Mitarbeitern schuldig.

Der Konzern wird gerüttelt und geschüttelt. Was wird übrigbleiben, was wird sich an den Standorten Berlin und München ändern?

Nach meiner Einschätzung werden wir 2003 sagen können: Wir haben vier hervorragend positionierte Sender – zwei in München und zwei in Berlin.

Das Interview führte Joachim Huber.

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