Moderator Tobias Schlegl : "Rock ’n’ Roll!“

Tobias Schlegl ist Sänger, Musiker und Fernsehmoderator. Fortan präsentiert er die Satiresendung "extra 3“ im NDR-Fernsehen.

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Tobias Schlegl -Foto: ARD

Herr Schlegl, mit der Moderation von „extra 3“ kehren Sie ins Fernsehen zurück. Gab es schon Anfragen für ein „Was macht eigentlich …?“-Interview?

Die Crux ist: Die Menschen denken, man hat nichts zu tun, wenn man nicht auf dem Bildschirm erscheint. Seit drei Jahren bin ich als Reporter für die „Sport-Bild“ tätig, was mir großen Spaß macht. Im letzten Jahr lief mit viel Erfolg auf MTV „Kick it like Schlegl“. Eine solche Interviewanfrage kam noch nicht. Schade, ich hätte das gern gemacht.

Ist dies Ihr Comeback?

Eher meine Weiterentwicklung. Ich stehe dazu: Es gibt im deutschen Fernsehen nur zwei Formate, die ich ertragen kann: „Die Simpsons“ und „extra 3“. Ich wollte mehr ins Politische gehen und dort Formate machen, hinter denen ich voll und ganz stehe. Ich habe im „Rat für nachhaltige Entwicklung” drei Jahre lang die politische Schulbank gedrückt, daher kommt der Wechsel zur richtigen Zeit.

Zeit für einen Abschied vom Privatfernsehen und vom Quotendruck?

Eigentlich lief es immer gut mit den Quoten. Nur eines meiner Formate wurde ihretwegen abgesetzt, „Absolut Schlegl“ bei Pro 7 – und dafür bin ich heute dankbar. Mit dieser Sendung habe ich Lehrgeld gezahlt. „extra 3“ ist nun eine Herausforderung, denn es ist die letzte Rock-’n’-Roll-Sendung im deutschen Fernsehen. Die Privaten haben nie den Mut gehabt, ein solches satirisches Magazin mit Attitüde aufzubauen.

Was qualifiziert Sie für die Moderation eines politischen Satiremagazins?

Man muss zunächst die Macher fragen, was sie sich dabei gedacht haben, mich zum Casting einzuladen. Dort musste ich mir dann einen Grünen aus der Hamburger Bürgerschaft zur Brust nehmen. Das war ein großer Spaß. Einige Wochen später bekam ich die Zusage. Aber ich weiß, dass die Fußstapfen meiner Vorgänger sehr groß sind. Die Entscheidung des NDR hat mich überrascht, weil ich wohl der jüngste Bewerber war. Es ist ein Generationswechsel. Zum ersten Mal ist der Moderator jünger als das Format.

Was werden Sie anders machen als Ihre Vorgänger?

Thomas Pommer und vor allem sein Vorgänger Jörg Thadeusz haben ein hohes Niveau kultiviert, das man erst mal halten muss. Ich werde weniger mit Stand-up-Anleihen arbeiten und freier an die Moderation herangehen. Sie wird nicht von vorne bis hinten durchgeschrieben sein. Vielleicht ein Drittel wird improvisiert sein.

Birgt nicht eine Pressekonferenz von CSU-Generalsekretär Markus Söder auf Phoenix mehr satirisches Potenzial als ein Aufquirlen der Tagespolitik?

Ein Knackpunkt. Es stimmt: Die Wirklichkeit ist die härteste Satire. Oft muss man sie nur gebündelt zeigen, dann bedarf sie fast keiner Kommentierung mehr. Nach der ersten „extra 3“-Redaktionskonferenz lässt sich sagen: Wenn es eine neue Richtung gibt, dann wird es diese sein. Ich werde der erste Moderator sein, der auch in den Einspielern mit einer eigenen Rubrik, vor Ort und draußen, angreifen wird.

Wie groß ist im NDR die Gefahr, brav und gefällig zu enden?

Ich sehe sie nicht. Unser Büro ist gut versteckt in den vielen NDR-Gebäuden, wir sind eine kleine Bastion. Die Sendung hat sich innerhalb des NDR eine große Freiheit erkämpft. Nur wir selbst müssen uns nach einer Sendung fragen, ob wir hart genug waren.

Welchen Politiker wünschen Sie sich als Gast?

Ich will auf die Bundesebene: Je größer der Name, desto besser. Die Gefahr, übliche Floskeln zu hören, ist natürlich vorhanden. Ich werde die Politiker aber mit Statements bombardieren, die sie so in den normalen Pressekonferenzen nicht hören. Ich kann mir vorstellen, dass ich als Leichtgewicht wahrgenommen werde. Diesen Gästen werde ich zeigen, dass ich austeilen kann. Gast meiner ersten Sendung ist der wunderbare CDU-Mann Wolfgang Bosbach.

Der Mann, der jede Silbe einzeln betont.

Genau! Und er wird frisch gebräunt und gescheitelt sein.

Tobias Schlegl, 29, ist Sänger, Musiker und Fernsehmoderator. Von heute an präsentiert er die Satiresendung „extra 3“ um 23 Uhr im NDR-Fernsehen. Mit ihm sprach Johannes Boss.

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