Medien : Moderatoren-Karussell

Maischberger, Beckmann, Delling – wer macht die „Sportschau“?

Joachim Huber[Köln]

Am 2. September startet Sandra Maischberger ihre neue Talkshow „Menschen bei Maischberger“. Immer dienstags um 23 Uhr wird sie im Berliner „Tränenpalast“ vor Publikum mit „prominenten und nicht prominenten Gästen über aktuelle Themen“ sprechen. Dies teilte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Montag mit. Der 2. September muss nicht die einzige ARD-Premiere der 37-jährigen Journalistin bleiben. Der WDR, der die Nachfolgesendung von „Boulevard Bio“ betreut, pusht Sandra Maischberger als Moderatorin der neuen „Sportschau“ zur Fußball-Bundesliga.

Aus ARD-Kreisen heißt es, dass Sandra Maischberger bei Abschluss ihres ARD-Engagements signalisiert habe, sie könne sich auch Moderationen im Sportbereich vorstellen. Tatsächlich habe es bereits die Offerte gegeben, bei der Übertragung von Skisprung-Wettbewerben mitzuarbeiten – was Maischberger aber abgesagt habe.

Klar ist, dass der WDR mit Sandra Maischberger in die Riege künftiger „Sportschau“-Moderatoren kommen möchte. Andere ernsthafte Namen hat die größte ARD-Anstalt bisher nicht zu bieten. Nach wie vor gilt Gerhard Delling, Sportchef des Norddeutschen Rundfunks, als gesetzt, danach bildet sich ein Favoritentrio aus Reinhold Beckmann, Sandra Maischberger und Waldemar Hartmann. Ob Beckmann und Maischberger wirklich die „Sportschau“ moderieren wollen, dazu haben sie sich noch nicht geäußert. Sandra Maischberger wollte diese Spekulationen auch am Montag nicht kommentieren.

Waldemar Hartmann will auf jeden Fall in die „Sportschau“, wird möglicherweise aber als Stadionreporter beim „Spiel des Tages“ eingesetzt.

Was gestandene Mitarbeiter in den Sportredaktionen der ARD irritiert, ist die fehlende Koordination der Planungen. Bisher sei noch nicht über den Standort (höchstwahrscheinlich Köln), eine eigene Redaktion und eine feste Mannschaft gesprochen worden – wohl aber über Moderatoren. Die Sorge, dass die Zeit dränge, ist berechtigt: Am heutigen Dienstag werden ARD und der Rechteinhaber Infront AG ihren Vertrag über die Bundesliga-Rechte abschließen. Dies bestätigte Peter Voss, Intendant des Südwestrundfunks, am Montag beim medienforum.nrw in Köln.

Voss nannte keine Zahlen, die nannte RTL-Chef Gerhard Zeiler. Danach werde die ARD für die nächste Saison 55 Millionen Euro für die Spiele am Samstag und am Sonntag bezahlen, eine Summe, die sich um zehn Millionen Euro ermäßigen könnte, sollte das ZDF die beiden Spiele am Sonntag übernehmen. Da „das Zweite“ die Begegnungen am Sonntag gerne von 17 Uhr 30 Uhr auf 16 Uhr 30 vorziehen würde, gibt es da allerdings noch erheblichen Diskussionsbedarf mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Bei der ARD würden sich die Produktionskosten jedenfalls mit 15 Millionen Euro dazuaddieren. Peter Voss widersprach den Zahlen nicht, sagte aber, „die Liga ist der ARD wieder und wieder angeboten worden“, und er betonte, dass diese Summe über „Werbung und Sponsoring zu refinanzieren ist“.

Was Gerhard Zeiler und Urs Rohner, Vorstandsvorsitzender der ProSieben Sat1 AG, heftig abstritten. Laut Rohner gilt das Angebot an Infront für die Bundesliga bei „ran“ weiterhin: 40 Millionen Euro für alle Spiele, alle Tore an einem Spieltag, Live-Spiele würden gesondert abgerechnet. „Diese 40 Millionen könnten wir gerade so finanzieren, wie will die ARD da 55 Millionen finanzieren?“ Es werde innerhalb der ARD-Etats zu Quersubventionierungen für die Bundesliga-Rechte und damit für die Vereine kommen.

Für RTL-Chef Zeiler steht fest: Die ARD hat sich der „Preistreiberei“ schuldig gemacht. Es werde mehr als notwendig und damit ein politischer Preis gezahlt. Nicht umsonst säßen die Ministerpräsidenten von Bayern und Rheinland-Pfalz, Edmund Stoiber (CSU) und Kurt Beck (SPD), in den Spitzengremien des FC Bayern München und des 1. FC Kaiserslautern.

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