Modewörter der EM 2016 : Warum Packing besser ist als Pressing

Packing hört sich an wie Fracking, ist aber viel besser - und auch besser als das in die Jahre gekommene Pressing, meint unser Modewort-Experte.

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Möglichst viele Gegner auf einmal überwinden, das ist der Sinn von Packing. Am Sonntag können das die deutschen Spieler beim Spiel gegen die Slowakei demonstrieren.
Möglichst viele Gegner auf einmal überwinden, das ist der Sinn von Packing. Am Sonntag können das die deutschen Spieler beim Spiel...Foto: dpa

Nein, nein, der Donnerstag, der Freitag, das waren fürchterliche Tage. Es ist ja so bei solchen Veranstaltungen: Wenn plötzlich nichts mehr passiert, wenn nicht mehr gespielt wird, weil diese Millionäre in kurzen Hosen zu faul sind (oder der Spielplan spielfreie Tage vorgesehen hat), dann entsteht eine Leere, eine entsetzliche Leere. Und es gibt keine Möglichkeit, sich aufzuregen über missglückte Reporter- oder Reporterinnen-Formulierungen. Weil das so ist (und auch weil die Schweiz bei Drucklegung dieser Ausgabe noch nicht die Polen aus dem Turnier geworfen haben, oder war es umgekehrt?, bei unseren Fußball-Kommentatoren erfährt man ja nichts), weil das so ist, schon mal im Voraus geschimpft, den Sonntag betrachtend.

Am Sonntag spielen die Deutschen gegen die Slowaken, und abgesehen davon, dass es ein mediales Donnerwetter gibt, wenn das für die Deutschen in die Hose geht, schon mal vorauseilend ein Donnerwetter für den Gebrauch dieser fußballerischen Modewörter und Modesätze. Das mediale Modewort der EM ’16 ist „Packing“. Was ist Packing? Packing hört sich an wie Fracking, ist aber dem Vernehmen aus allen Sendern und aller Expertenmünder etwas viel besseres als das inzwischen altertümliche Pressing. Packing, da sind sich der inzwischen auf brav eingestimmte Mehmet Scholl und der Blick in die leere Ferne Oliver Kahn einig, ist das, was die Fachkommentatoren „gegen den Ball arbeiten“ nennen. Das ist die Modesentenz der EM ’16. Wer nicht gut gegen den Ball arbeitet, hat praktisch keine Chance, sagt Scholl, sagt Kahn, sagen alle.

Alle blicken auf Island gegen England

Perfekt gegen den Ball gearbeitet haben im Gruppenspiel Schweizer und Franzosen. Am Ende lag der Ball komplett bearbeitet und komplett zerfetzt am Boden. Aber ob das der Sinn des Spiels ist? Und nun lieber Isländer, packt sie euch, die Engländer, die nicht mehr wollen, bearbeitet sie, next Exit on Monday.


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