Medien : Mörder und Frauen

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Eigentlich stehen Hörspiel und Kino ja in blutiger Konkurrenz. Wer sich in Kinohöhlen heimisch fühlt – bei den schnellen, harten Bildern, die alle Sinne gefangen nehmen –, wird sich niemals aufs bloße Hören einlassen. Aber bei den Klassikern entkrampft sich das Verhältnis. „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ hieß ein frühes Meisterwerk des Kinoregisseurs Fritz Lang. Peter Lorre als kindlicher Kindsmörder mit Riesenaugen, der eine ganze Stadt in Panik versetzt. Auch die Geschäfte der Unterwelt sind von öffentlicher Hysterie bedroht. Deshalb jagen die Kriminellen den Mörder, fangen ihn und stellen ihn vor ihr eigenes Gericht. Im Kino war das ein früher Thriller, nun kann man die Geschichte noch einmal als packendes Radiodrama erleben. Ein HörspielRemake, das auch die Tonspur des Ufa-Klassikers nutzt. Die Stimmen von Peter Lorre und Gustaf Gründgens sind einmontiert, dazu Dokumente zum Fall des Kindsmörders Kürten, der Fritz Lang damals inspirierte (Deutschlandfunk, 18. Januar, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Und noch ein Kinoklassiker im Radio: „Meister des subtilen Grauens“ nennt Claudia Lenssen ihr Porträt des Stummfilmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau. Der ging mit seiner Neuschöpfung des Dracula-Stoffes in die Unsterblichkeit ein. Nosferatu, ein schwarzer, blutgieriger Schatten vorm bleichen Hintergrund der Welt. Man hat diesen Film von 1921 später als genialen künstlerischen Ausdruck einer Epoche der bürgerlichen Verunsicherung gedeutet (Radio Kultur, 20. Januar, 19 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Was es mit der bürgerlichen Verunsicherung genau auf sich hat, untersucht Tilman Krause in seinem Essay „War es doch eine heile Welt?“. Bei den Zeitgenossen diagnostiziert Krause eine neue Sehnsucht nach bürgerlichem Glück. Nun fragt er in die Tiefe des geschichtlichen Raumes hinein: Was ist eigentlich das genuin Bürgerliche gewesen (Radio Kultur, 23. Januar, 21 Uhr)?

Schließlich soll von zwei Frauen die Rede sein. Beide stehen am Ende ihres Lebens, beide wollen noch einmal etwas Unerhörtes wagen. Trotzdem liegt mehr als eine Welt zwischen ihnen. Martin Stephan erzählt im Hörspiel „Ich will nicht leise sterben“ die Geschichte der Rentnerin Clara, die aus ihrem Alltag aussteigen möchte. Ein Radiostück, vor 25 Jahren in der DDR produziert, im Ton jener stillen Sentimentalität, die damals die Empfindungskultur des Landes prägte (Deutschlandfunk, 21. Januar, 20 Uhr 10).

Hypermodern, direkt und laut dagegen Thea Dorn mit „Bombsong“. Eine junge Frau ekelt sich vor der leeren Sattheit des Westens, die auch ihre eigene ist. Nun will sie allen Überdruss mit einer Bombe aus der Welt schaffen (Radio Kultur, 24. Januar, 21 Uhr).

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