Medien : Moin, Moin, Mitte

Das neue „TV Berlin“ will von „Hamburg 1“ lernen

André Görke

Ein Morgen in Hamburg, kurz nach dem Aufstehen. Frühstücksfernsehen sieht an der Alster so aus: Der Lokalsender „Hamburg 1“ zeigt live die langen Staus vor dem Elbtunnel, anschließend das Wetter an der Elbe. Und wenn das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die „Queen Mary 2“, den Hafen verlässt, wird gar 23 Stunden das Spektakel übertragen. „So was wollen die Leute sehen“, sagt Bernhard Bertram, „auch in Berlin.“

Der Sender „TV Berlin“ versucht nach seiner Insolvenz wieder einmal, auf die Beine zu kommen, und orientiert sich dabei am Modell des Senders „Hamburg 1“. Dessen Geschäftsführer Bernhard Bertram und Ingo Borsum haben sich gestern am Alexanderplatz vorgestellt; sie sind die neuen Gesellschafter von „TV Berlin“. Bilder vom Verkehr auf der Straße des 17.Juni; das Wetter an der Spree; Live-Berichte vom Christopher Street Day – so funktioniere langfristig Lokalfernsehen auch in dieser Stadt. „Wir werden vieles abstreifen und den Sender wieder total auf Berlin konzentrieren“, sagt Bertram. In den nächsten Wochen werden die ersten Formate platziert, nach einem halben Jahr soll der Wandel sichtbar werden.

Eine Erfolgsgeschichte war Regional-TV in Berlin und Brandenburg bislang nicht unbedingt. Anfangs hieß der Sender „IA Brandenburg“, dann „Puls TV“, dann „TV Berlin“, dann kam die Kirch-Insolvenz, die Zuschauer fehlten, die Sendungen waren, sagen wir, zu vernachlässigen. „Wir brauchen ein hohes Maß an Kontinuität und müssen ein verlässliches Angebot liefern“, sagt Bertram.

Die neue Kontinuität soll ab 5. September so aussehen: In den Sendezeiten zwischen 17 Uhr und 24 Uhr werde es einen großen Nachrichtenblock geben, anschließend das Wetter, ein bisschen Stadtleben, dann Sport und schließlich „Harry hilft“ – eine Art Bürgeranwalt, der Probleme lösen soll. Gegenüber dem RBB habe man einen Vorteil, sagen die neuen Chefs. „Wer die ,Abendschau‘ einmal verpasst hat, hat Pech gehabt“, sagt Bertram. „Wir senden Nachrichten stündlich.“

Fünf Millionen Euro Jahresumsatz mache der Sender in Hamburg derzeit, „das ist auch unser Ziel für Berlin“, sagt Gesellschafter Borsum. „In zwei Jahren wollen wir schwarze Zahlen schreiben.“ Finanziert werden soll der Sendebetrieb mit rund 45 Mitarbeitern durch Kooperationen im Werbebereich. Spots der AOK oder von Discountern könnten in beiden Großstädten ausgestrahlt werden. Trennen werde man sich hingegen von „eigenproduzierten Astrologiesendungen“ oder Gesundheitsmagazinen wie „Vitalissimo“. Verstärkt wolle man auch die Politik ansprechen, zumal die Wahl in Berlin im kommenden Jahr anstehe. Und wenn es in Berlin eine Katastrophe wie die in Moabit mit neun Toten gebe, müsse man live vor Ort berichten, sagt Bertram.

Damit eines jedoch klar sei: „Zwischen Hamburg und Berlin wird kein Programmaustausch stattfinden“, sagt Bertram. „Reeperbahn-TV wird in Berlin nicht gezeigt.“

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