Medien : Molly Bloom erklärt die Liebe

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Bekanntlich erzählt James Joyces großer Roman „Ulysses“ nur einen Tag im Leben eines Dubliner Anzeigenmaklers. Die Hauptfigur namens Leopold Bloom trinkt, isst, verkauft Anzeigen und treibt noch ein paar andere allzumenschliche Dinge. Handlungszeit des Romans ist der 16. Juni 1904. Deshalb feiert die Joyce-Gemeinde jedes Jahr am 16. Juni „Bloomsday".

Weil sich der Tag nun zum hundertsten Mal jährt, ist auch im Radio ein rauschendes Fest fällig: Die Schauspielerin Edith Clever liest das letzte Kapitel des Riesenwerks. Molly Blooms große Liebeserklärung an die Welt. Ein wilder Bewußtseinsstrom über fünfzig eng bedruckte Seiten. Mit dem schönsten Ende, das Literatur je hatte: „Und dann umschlangen ihn meine Arme ja ich zog ihn herab zu mir dass er meine duftenden Brüste fühlte ja und ganz wild schlug ihm das Herz und ja ich sagte ja ich will Ja." (RBB-Kulturradio, 16. Juni, ab 21 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Genau ein Vierteljahrhundert nach Blooms Dubliner Odyssee kam Jürgen Habermas zur Welt. Der hat es zum berühmtesten Philosophen der Bundesrepublik gebracht. „Ein streitbarer Demokrat“, so der Titel eines Geburtstagsfeatures von Thomas Kleinspehn (Kulturradio, 17. Juni, 22 Uhr 05).

Wer im Jazz besonders die Trompete liebt, kommt am Freitag auf seine Kosten. Zunächst mit der Sendung „Jazz Ber lin" , die dem jungen Trompeter Till Brön ner gewidmet ist. Im Anschluß ein Jazz-Hörspiel aus den Archiven: vor fünfzig Jahren erzählte Autor Heinz Oskar Wuttig in „St. Louis Blues “ die fabulöse Geschichte des schwarzen Trompeters Buddy Dickson. Trompetenblues im kratzigen Mono (Kulturradio, 18. Juni, ab 20 Uhr 05).

Urs Widmers Stück „Top Dogs “ ist auf deutschen Theaterbühnen ein Erfolg gewesen. Eine Geschichte über Leute, deren Arbeitsplätze wegrationalisiert werden. Nur handelt es sich hier nicht um Under-, sondern eben um Top Dogs. Nun tobt der Psychoterror im Becken für ausrangierte Haifische. Ein geistreiches Hörspiel, das auch eine gewisse Schadenfreude beim Publikum erlaubt. (SWR 2, 20. Juni, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Last but not least empfehlen wir An dreas Knaups spannenden Krimi „Wash and kill “ (Deutschlandradio, 21. Juni, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz) und einen Radioessay des bedeutendsten lebenden Dichters, den wir in Deutschland haben: Thomas Klings „Schädelmagie und Antikenverwaltung“ (SWR 2, 22. Juni, 21 Uhr 03)

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