Medien : Monica und viele Männer

In Hamburg trifft sich der WM-Kader von ARD und ZDF

Simone Schellhammer

65 Tage vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft stellten ARD und ZDF gestern in Hamburg gemeinsam ihre WM-Berichterstattung vor. Nach den vielen, oftmals nervtötenden Fußball-Shows im Vorfeld geht es am 9. Juni mit dem Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica in München endlich richtig los und zwar im ZDF mit Béla Réthy als Kommentator. Das Finale in Berlin am 9. Juli wird für die ARD Reinhold Beckmann kommentieren. Gemeinsam werden die beiden öffentlich-rechtlichen Sender 48 von den insgesamt 64 Spielen der WM übertragen: Alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft, alle Viertelfinal- sowie die beiden Halbfinal- und die Finalbegegnungen. Die Rechte für die Sonntagsspiele (außer für solche, bei denen die deutsche Mannschaft beteiligt ist) liegen bei RTL.

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte: „Zwei Jahre haben wir uns auf die WM vorbereitet. Wir sind für alle Eventualitäten gerüstet: Für Sicherheitsfragen ebenso wie für Meisterfeiern auf dem Frankfurter Römer.“ Für die Spielanalysen beim ZDF sind die bewährten Kräfte – Moderator Johannes B. Kerner mit den Experten Jürgen Klopp (Trainer des 1. FSV Mainz), Urs Meier (ehemaliger Fifa- Schiedsrichter) und Franz Beckenbauer – im Einsatz. Ihr Studio befindet sich in der so genannten ZDF-Arena im Sony Center am Potsdamer Platz, die auch über eine Tribüne für 1000 Zuschauer verfügt. Als Special Guest wird das Expertenteam bei einigen Sendungen den brasilianischen Weltstar Pelé begrüßen. Kommentatoren sind außer Béla Réthy die ZDF-Reporter Thomas Wark und Wolf-Dieter Poschmann. Michael Steinbrecher, Moderator des „Aktuellen Sportstudios“, wird aus dem Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Berlin berichten.

Im Team der ARD hatte es Mitte März noch Unruhe gegeben, weil Kommentator Gerd Rubenbauer wegen allgemeinem „Herumgeeiere“ von allen Aufgaben zurücktrat. Für ihn rückte nun Gerd Gottlob vom NDR als dritter Kommentator neben Steffen Simon und Reinhold Beckmann nach. Auf die Frage, ob für ihn mit der Kommentierung des Endspiels ein Kindheitstraum wahr würde, meinte Beckmann ganz bescheiden: „Wir sind gar nicht so wichtig. Wer erinnert sich denn noch an frühere Endspielkommentatoren außer vielleicht an Rudi Michel 1974? Wichtig ist vielmehr, dass wir uns klar machen, dass von den bis zu 26 Millionen Zuschauern nicht alles Fußballexperten sein werden und wir uns deshalb nicht etwa wie auf einem Trainerseminar in Barsinghausen verhalten können.“

Für die ARD wird Monica Lierhaus das deutsche Nationalteam begleiten: „So nah dran wie möglich, aber auch mit so viel Distanz wie nötig“, sagte sie in Hamburg. Während es ihr erster WM-Einsatz für die ARD ist, absolvieren Gerhard Delling und Günter Netzer bereits die dritte WM gemeinsam im kollegialen Schlagabtausch. „Die Spannung hat sich über all die Jahre erhalten“, sagte Netzer. „Ich habe nach wie vor großes Interesse daran, was denn als Nächstes wieder für Schweinereien passieren.“ Sollte Deutschland tatsächlich am 9. Juli Weltmeister werden, wollen sich die beiden übrigens endlich duzen – immerhin für diesen einen Tag. Delling und Netzer werden sich stets aus einem WDR-Studio in Köln melden. Ausnahme: Bei Halbfinale und Endspiel moderieren sie aus einem gläsernen Studio im Stadion.

Auch außerhalb der eigentlichen Sportübertragung wird die WM ein großes Thema bei den Öffentlich-Rechtlichen sein. Das reicht von besagten Shows über Dokumentationen (ARD: „Legenden“), Nachrichtensendungen (ARD-Morgenmagazin) bis hin zu Comedyformaten (ZDF: „Nachgetreten!“). So wird Harald Schmidt in einer ARD-Sondersendung am 29. April sein Versprechen wahr machen und WM-Tickets an schwangere Akademikerinnen verschenken. „Waldi und Harry“ wie bei den Olympischen Spielen wird es, wie berichtet, zur WM nicht geben. Dafür wird Harald Schmidt bei Waldemar Hartmanns „WM-Club“, der immer an den ARD-Tagen um 23 Uhr 30 läuft, als Gast eingeladen sein. „Immerhin weiß ich jetzt seit einer Woche, dass es diese Sendung geben wird“, sagte Waldemar Hartmann und spielte damit auf die oft kritisierten langwierigen Planungsspiele bei ARD-Entscheidungen an.

Aufgezeichnet von 25 Kameras (bei der WM 1954 waren es ganze drei) werden die Spiele im 16:9-Format gesendet. „Alle wesentlichen Bild- und Grafikinformationen können die Zuschauer aber weiterhin auch im 4:3-Ausschnitt sehen“, sagte ARD-Teamchef Heribert Faßbender. Übertragen werden die Bilder über ein Leitungsnetz, das kreuz und quer durch die ganze Republik verläuft und „gegen übereifrige Baggerfahrer und andere Gefahren“ eigens abgesichert sei.

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