Medien : Monster in Miniröcken

RTL entdeckt mit Heiner Lauterbach Familie und Erziehung als Comedystoff

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Mit der Erziehung hapert’s ja in vielen Familien, wer wüsste das nicht besser als das Publikum des „Super Nanny“-Senders RTL. Und tatsächlich ist der erste Reflex nach Ansicht der neuen Comedyserien am Freitag: Kann da nicht mal Katharina Saalfrank für Ordnung sorgen?

In „Mitten im Leben“ ziehen Lehrer Alex und sein Sohn Pit mit Journalistin Bea und ihren drei Töchtern zusammen. Alex sieht sich von „Monstern in Miniröcken“ umstellt, womit er nicht ganz unrecht hat, aber Pit ist auch nicht ohne. Gleich am ersten Tag des neuen Zusammenlebens sammelt er mit dem Fotohandy eifrig Schnappschüsse von seinen neuen Schwestern und verkauft sie an seine Klassenkameraden. Jule, die älteste und im besten Zickenalter, findet das empörend, vor allem den Preis pro Foto: Statt 50 Cent sei sie doch mindestens das Zehnfache wert, sagt sie. Ihre 13-jährige Schwester Anna gibt sich beim Chatten als 22-jährige Annabel aus und bändelt dabei ausgerechnet mit einem Lehrerkollegen von Alex an, den sie allenfalls für 15 Jahre alt hält. Das lässt sich ganz munter an: Frech wird gegen den Strich pädagogischer Korrektheit gebürstet, und die gegenseitigen Verständnisschwierigkeiten zwischen Eltern und Kindern geben ausreichend Anlass für Situationskomik und Wortwitz. Die Patchworkfamilie ist eben ein lohnender Comedystoff, wie bereits „Türkisch für Anfänger“ (ARD) bewiesen hat.

Bemerkenswert ist vor allem die Besetzung: Erzählt wird aus der Perspektive von Papa Alex (Heiner Lauterbach), einem Lehrer, der mit bestechender Pädagogik alles nur noch schlimmer macht. Motzt eines der reizenden Töchterchen über das zu kleine Zimmer, bekommt es eben das Arbeitszimmer von Alex, der dann in den Keller zieht. Dessen Gelassenheit kann man nur bewundern. Hauptdarsteller Lauterbach spielt seinen Part routiniert herunter, immerhin entspricht die Rolle nicht gerade seinem Macho-Image.

Sandra Speichert ist Alex’ neue Lebensgefährtin, eine Journalistin, die meistens nicht zu Hause ist. Sehr herausfordernd ist das nicht, doch hübsch ist der Rollenwechsel: Nicht der Mann kommt abends heim und spricht ein Machtwort, sondern die Frau. Außerdem ist noch ein schauspielerisches Schwergewicht zu sehen: Katrin Sass („Good bye, Lenin“) spielt die Schulleiterin von Alex, die zufällig auch die Nachbarin der neuen Patchworkfamilie ist. Eine strenge Dame, die jedoch Gefallen an Alex’ unkonventionellen Methoden findet und wohl auch an Alex selbst. Katrin Sass wirkt zum Auftakt etwas unterfordert. Dass sie jedoch komödiantische Nebenrollen überzeugend auszufüllen versteht, hat sie bereits in dem preisgekrönten Pro-Sieben-Film „Meine verrückte türkische Hochzeit“ unter Beweis gestellt.

An diesem Familien-Freitag bei RTL – auch Günther Jauch lädt bei einem „Wer wird Millionär?“-Spezial Eltern und Kinder gemeinsam auf den Ratestuhl – schließt sich eine weitere Comedyserie zum Thema an: „Kinder Kinder“ erzählt von drei Schwestern, die jede auf ihre Weise mit den Herausforderungen der Mutterrolle umgehen. Das mutet zum Teil an wie die Comedy zur Krippenplatzdiskussion. Polizistin Claudia (Judith Pinnow) ist schlagfertig und gut organisiert, leider kümmert sich Robert (Matthias Koeberlin) nicht sehr zuverlässig um das gemeinsame Baby. Claudias ältere Schwester Katja (Dana Golombek) hat es mit einem verzogenen Sohn im Grundschulalter zu tun, der seiner Lehrerin gerne mal an die Brust fasst, sowie einem drögen Politikergatten (Heinrich Schafmeister), der beim Familienfest Wahlkampfreden schwingt. Die jüngere Schwester Jessica (Carolin Kebekus) erwartet ihr erstes Kind, was bei Lebensgefährte Christian (Daniel Wiemer), einem antriebsschwachen Langzeitstudenten, trübe Visionen auslöst. Männer sind hier wahrlich keine Vorzeigeväter.

Man sollte nicht zu viel von den harmlosen Comedyspäßen bei RTL erwarten, aber vielleicht bedeutet es ja, dass das Privatfernsehen das Thema Familie und Erziehung wichtiger zu nehmen beginnt und damit vielfältiger umgeht als bisher. Ist auch besser so, wenn man nicht die ganze Arbeit der „Super Nanny“ überlässt.

„Mitten im Leben“, RTL, 21 Uhr 15

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