Montagskrimi im ZDF : Clüvers Nicht-Geheimnis

„Nord Nord Mord“: Warum zu gut besetzte Nebenrollen in einem Fernsehkrimi mitunter der Spannung schaden.

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Eine Leiche als Beifang: Kommissar Clüver (Robert Atzorn, r.) und sein Team bekommen nun auch den Körper zu dem zuerst gefundenen abgetrennten Arm geliefert. Foto: ZDF
Eine Leiche als Beifang: Kommissar Clüver (Robert Atzorn, r.) und sein Team bekommen nun auch den Körper zu dem zuerst gefundenen...Foto: Marion von der Mehden

Auf diesen Beifang verzichtet jeder Fischer gerne, vor allem, wenn der Leiche im Netz auch noch ein Arm fehlt. Den hat zuvor der Hund einer Sylt-Touristin am Strand gefunden. Für einen abgetrennten Arm, der wer weiß wie lange im Wasser gelegen haben kann, sieht die Extremität sogar noch verhältnismäßig gut aus. Und weil eine Insel ja so etwas Ähnliches ist wie ein Dorf und die Polizei auf Inseln und in Dörfern nach anderen Regeln arbeitet als in einer Großstadt, wird das Corpus delicti einfach mal in einen große Styroporkiste gepackt und dem dementen Vater der Polizeiassistentin auf den Schoß gepackt, um damit zur Gerichtsmedizin zu fahren.

Friesisch herb: Die Reihe "Nord Nord Mord"

„Clüvers Geheimnis“ ist der dritte ZDF-Krimi aus der Reihe „Nord Nord Mord“. Theo Clüver ist der für Sylt zuständige Kommissar und wird von Robert Atzorn wunderbar knorrig gespielt. Clüvers Geheimnis hat weniger mit dem Fall zu tun, vielmehr irritiert er seine jungen Untergebenen mit ständig neuen Frauen an seiner Seite. Ein Geheimnis muss freilich auch gelöst werden, um das Verbrechen aufzuklären, denn wie sich herausstellt, ist der Tote nicht versehentlich ins Wasser gefallen und von einer Schiffsschraube zerstückelt worden.

Im Norden ticken die Uhren anders, die Dialoge erinnern stark an die TV-Werbung für friesisch herbes Bier. Da antwortet ein Zeuge eben mit einem kurzen „Jau“, statt sich in Wort-Elogen zu ergehen. Welche andere Antwort auf die Frage „Können Sie auch etwas anderes sagen als Jau?“ will man auch schon erwarten. Außer vielleicht einem „Nö“. Überhaupt haben Stefan Cantz und Jan Hinter, die als Autoren den Münster-„Tatort“ mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl erdachten, viel Energie auf eine kurzweilige Geschichte gelegt, in der Humor genauso verbreitet ist wie Fischbrötchen auf Sylt. Der Figur von Assistent Hinnerk Feldmann, der seine derzeit wohnungslose Kollegin Ina Behrendsen (Julia Brendler) zeitweise bei sich aufnimmt, kommt dabei die Rolle des bemühten Nerds zu. Schauspieler Oliver Wnuk, der durch die „Stromberg“-Reihe mit Christoph Maria Herbst bekannt wurde, ist dafür eine ausgezeichnete Besetzung.

Apropos Besetzung. In dem von Arno Saul inszenierten TV-Krimi ist sie – wie leider in vielen Produktionen – das Hauptproblem. Und das nicht, weil zu wenig gute Schauspieler engagiert wurden. Im Gegenteil: Jeder halbwegs routinierte Krimi-Freund weiß, dass es kein Zufall ist, wenn vermeintliche Nebenrollen mit besonders profilierten Schauspielern besetzt werden. Da können sich die Autoren noch so viel Mühe geben, eine verschachtelte Geschichte mit mehreren Ebenen zu konstruieren, in der sich die Fakten erst langsam fügen, um für Ermittler und Publikum ein halbwegs klares Bild zu ergeben, bevor dann nach mehreren Verdächtigen eine Nebenperson ins Zentrum rückt, die niemand ernsthaft auf der Rechnung hatte. Wenn die großen Namen wie ein Wink mit dem Zaunpfahl wirken, bleibt dies alles vergebens. Die Auflösung wird vorhersehbar. Schade.

„Nord Nord Mord: Clüvers Geheimnis“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15

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