Medien : Montgomery geht nicht auf Redaktion zu Krisengespräch bei der „Berliner Zeitung“

Statt feinem englischen Tee wurde David Montgomery stilles Mineralwasser serviert, als er sich am späten Montagnachmittag in der „Berliner Zeitung“ einfand. Der Vorstandsvorsitzende des britischen Medienkonzerns Mecom, zu dem die BV Deutsche Zeitungsholding mit der „Berliner Zeitung“ gehört, war zum Krisengespräch aus London angereist. Persönlich wollte er sich anhören, was die Redakteure gegen seine Verlagspolitik haben. „Anstatt immer weiter Geld zu streichen, haben wir Montgomery aufgefordert, endlich in die Zeitung zu investieren. Ansonsten drohen Qualitätseinbußen“, berichtete Thomas Rogalla, Sprecher des Redaktionsausschusses der „Berliner Zeitung“.

Erst kürzlich hatten die Redakteure Montgomery in einem offenen Brief aufgefordert, das Zeitungshaus zu verkaufen. Gleichzeitig sprachen sie Josef Depenbrock, der die „Berliner Zeitung“ in Personalunion als Chefredakteur und Geschäftsführer leitet, ihr Misstrauen aus. Beide würden einzig die Rendite im Blick haben, lautet der Vorwurf. Das Redaktionssystem sei beispielsweise so mangelhaft, dass Mitarbeiter nicht einmal die Internetseite ihrer eigenen Zeitung aufrufen können. Auch solle das Online-Angebot der Zeitung ausgebaut werden, ohne dass dafür mehr Personal oder Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. 19 Redakteure haben das Blatt seit Mecoms Übernahme 2005 bereits verlassen.

Doch Montgomery verwies am Montag darauf, genug in die „Berliner Zeitung“ investiert zu haben, sagte Rogalla. Ebenfalls wolle er an Depenbrocks Doppelrolle festhakten. Immerhin soll es bald ein neues Redaktionssystem geben. Auch wenn die Atmosphäre am Montag ruhig und sachlich gewesen sei, erzählte Rogalla, sei Montgomery „not amused“, nicht erfreut, gewesen, dass die Redakteure ihre Unzufriedenheit öffentlich machten. „Aber solange sich die Situation nicht bessert, werden wir sicher nicht damit aufhören“, kündigte Rogalla an. sop

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