Medien : Montgomery nimmt Stellung

Chefredakteure des Berliner Verlags warnen vor Verkauf

Ulrike Simon

Die Anzeichen mehren sich, dass der mögliche Verkauf des Berliner Verlags von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck an die Finanzinvestoren Mecom, 3i sowie Veronis, Suhler, Stevenson kurz vor dem Abschluss steht. David Montgomerys Mecom scheint auf ein schnelles Ergebnis der Verhandlungen zu drängen. Gestern Abend nahm der Zeitungsmanager zum ersten Mal öffentlich Stellung zu den Kaufabsichten. Anlass sind die Montagsausgaben von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“, die die Chefredakteure als Plattform für Erklärungen nutzen. Bei Mecom zeigte man sich irritiert, da dies auf Basis völliger Unkenntnis der tatsächlichen Pläne geschehe.

David Montgomery erklärte am Sonntag: „Wir beabsichtigen in jedem Fall den Erwerb des gesamten Berliner Verlages. Im Falle eines erfolgreichen Abschlusses der Akquisition werden wir als langfristig orientierter, strategischer Investor agieren. Wir haben keine Pläne, Teile des Unternehmens zu verkaufen. Vielmehr soll der Berliner Verlag als Plattform für weitere mögliche Akquisitionen in Deutschland dienen.“ Den deutschen Zeitungsmarkt und seine Kultur schätze er. Mit Blick auf die Blätter des Berliner Verlags sagte Montgomery, „wir würden stolz sein, die Inhaber dieser Zeitungen zu werden und fühlen uns den höchsten journalistischen Standards, der Beibehaltung redaktioneller Integrität und gutem Management verpflichtet.“ Die „Berliner Zeitung“ würde als ein Titel „von hoher Qualität“ weiterentwickelt, „vergleichbar mit Zeitungen wie dem ,Independent’ und dem ,Guardian’ in England.“ Die „Berliner Zeitung“ werde davon profitieren, „dass ihr Heimatmarkt eine dynamische Metropole ist.“ Sie würde „die wahre Stimme Berlins“ werden.

Der „Berliner Kurier“ thematisiert den möglichen Verkauf heute auf zwei Seiten im Innenteil. Auf Seite 1 heißt es: No, Sir! Sie kriegen unsere Zeitung nicht. (Und wenn Sie sich auf den Kopf stellen).“

Zum möglichen Verkauf an die Finanzinvestoren schreibt Chefredakteur Uwe Vorkötter in der „Berliner Zeitung“ heute: Er zweifle, ob Montgomery und seine Investoren die Interessen der ,Berliner Zeitung’ wahren. „Die Maximierung der Rendite ist nicht das Ziel unserer Arbeit. Wir haben publizistische Ambitionen, die gleichwertig neben dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens stehen.“ Von Montgomery habe er den Eindruck, „der Mann verfügt bestenfalls über rudimentäre Kenntnisse der deutschen Zeitungslandschaft“. Der Berliner Markt scheine ihm „komplett fremd“ zu sein. Montgomery mache sich Illusionen, wenn er glaube, von Berlin aus aggressiv auf den deutschen Markt drängen zu können.

Vorkötter plädiert dafür, alternative Kaufangebote zu prüfen. So erneuerte das Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg sein Interesse. Ebenfalls Interesse zeigt der norwegische Mischkonzern Orkla, dem in Berlin die im Internet verbreitete „Netzeitung“ gehört.

Zeitungen seien keine x-beliebigen Wirtschaftsgüter, schreibt Vorkötter. „Wir haben (…) einen Verfassungsauftrag, und die Pressefreiheit ist unser Privileg. Wir genießen es nicht, weil wir Investoren Renditen garantieren, sondern weil wir unseren Lesern umfassende Information und Meinungsbildung garantieren.“ Für die „Berliner Zeitung“ erwarte er von Holtzbrinck „eine verantwortungsbewusste verlegerische Entscheidung. Nicht mehr, aber auch keinen Deut weniger.“

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