Medien : Mord durch Mobbing

„Der Tod ist kein Beweis“, ein anrührender ZDF-Film

Thilo Wydra

Sie streicht der alten Frau nochmal über den Kopf, küsst sie verhalten auf die Stirn - „mach’s gut, Oma". So, als wisse die junge Polizistin Maria (Lisa Maria Potthoff) schon, dass es ein Abschied für immer sei. Als Irmgard Gruber, ihre Mutter (Monika Baumgartner) sie nachts auf dem Handy anruft, läuft nur noch Marias Mailbox. Am nächsten Tag dann steht der Dorfpolizist in Irmgards Tür - Maria sei tot, alles sehe nach Selbstmord aus, nach einem Freitod auf der Autobahnraststätte. Die Maria, Selbstmord?! Niemals! Auch Irmgards Mann Jakob (Peter Lerchbaumer) mag es nicht glauben, doch ist es letztlich die Mutter, die die Sache in die Hand nimmt, einen Anwalt und auch das besagte Münchner Polizeirevier, in dem Maria arbeitete, mehrmals aufsucht, mit dem Revierleiter spricht und sich mehr und mehr sicher ist, dass dies kein Selbstmord war. Sondern ein Mord. Ein Mord durch Mobbing auf dem Revier. Und Maria, neu noch auf der Dienststelle, wurde gemobbt, und das nicht zu knapp. Vor allem vom Uhlenbrock (Jürgen Tonkel), der immer mal wieder meinte, sie müsse mal anständig . . . Imgard Gruber will Gerechtigkeit für ihr Kind und die Schuldigen zur Verantwortung ziehen.

Der Fernsehfilm „Der Tod ist kein Beweis", heute um 20 Uhr 15 im ZDF, basiert auf einem authentischen Fall: 1999 erschoss sich eine Münchner Polizistin wegen der Schikanen ihrer Kollegen. Nach dem durchdachten Drehbuch der „Stern“-Journalistin Frauke Hunfeld inszenierte Regisseurin Dagmar Hirtz ein Suizid-Drama, das geprägt ist vom Verlustschmerz der fassungslosen Eltern, für die der Freitod der Tochter freilich auch einen Affront gegen sie bedeuten könnte. Der Film skizziert auch die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber dem inhumanen Räderwerk der Bürokratie, der Macht-Hierarchien.

Das trägt schon kafkaeske Züge, wie diese verzweifelte Mutter durch die Gerichtshallen, durch die Amtsstuben geht, um der Wahrheit näher zu kommen. Dass es ihr schlussendlich gelingt, mag zwar versöhnlich stimmen, ist aber angesichts des Geschehenen - der Film basiert eben auf verschiedenen realen Ereignissen - nur ein sehr schwacher Trost. „Es macht", wie Vater Jakob einmal in sich gekehrt sagt, , „unsere Maria auch nicht mehr lebendig". „Der Tod ist kein Beweis“: Ein guter, sehr guter Film. Und ein wichtiger dazu.

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