Medien : Morden gehört zum Handwerk

Ein Arte-Dreiteiler blickt hinter die Kulissen der CIA

Thomas Gehringer

Warum glauben Menschen, dass die US-Regierung selbst hinter den Terrorattacken des 11. September 2001 stecken könnte? Ein Blick in die Annalen der CIA genügt: Gute Gründe, ihr beinahe alles zuzutrauen, lieferte der US-Geheimdienst jahrzehntelang selbst. Um den kubanischen Staatschef Fidel Castro loszuwerden, wurde zum Beispiel in den 60er Jahren intern diskutiert, ob man nicht amerikanische Landsleute töten und dies den Kubanern in die Schuhe schieben könnte. „Mord ist das Handwerkszeug einer Regierung“, sagt der ehemalige CIA-Agent Samuel Halpern. Er sollte im Auftrag der Kennedy-Regierung Castro ermorden. Der Kriegseintritt 1964 in Vietnam wurde mit einem selbst inszenierten Angriff auf US-Schiffe im Golf von Tonkin gerechtfertigt.

Zweieinhalb Fernsehstunden mit den Missetaten und Fehlleistungen der CIA zu füllen, ist wirklich nicht schwer. Doch was die dreiteilige Arte-Dokumentation „Geschichte der CIA“ von Grimme-Preisträger William Karel („Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“) so bemerkenswert macht, ist die große Zahl hochkarätiger Interviewpartner. Mit James Woosley (1993 – ’96), Robert M. Gates (’91 – ’93), William H. Webster (’87 – ’89), Stansfield Turner (’77 – ’81), William Colby (’73 – ’76), James R. Schlesinger (Februar bis Juli ’73) und sogar dem greisen Richard Helms (’66 – ’73) hat der Autor sieben ehemalige CIA-Direktoren vor die Kamera geholt, dazu weitere hochrangige Agenten und Ex- Minister (Alexander Haig, William Cohen). Hin und wieder aufgelockert durch Archivmaterial, besteht die Dokumentation fast ausschließlich aus diesen geschickt montierten Interviews. Dabei wird auch das jeweilige politische Umfeld deutlich: Bill Clintons Desinteresse an seinem Geheimdienst etwa oder die enorme Machtfülle des CIA-Chefs William Casey unter George Bush senior.

Der Autor geht chronologisch vor, von der Gründung des Dienstes nach dem Angriff auf Pearl Harbour im Zweiten Weltkrieg bis zu den Schludrigkeiten und dem politischen Versagen im Vorfeld des 11. September 2001. Im ersten Teil („Geheime Operationen“) stehen die verdeckten Praktiken in Lateinamerika, Asien und Afrika im Vordergrund, ehe Präsident Gerald Ford seinen Beamten im Jahr 1976 politische Morde per Erlass verbot. Der zweite Teil behandelt die Ära der US-Präsidenten Carter und Reagan bis zum Ende des Kalten Kriegs, und Folge drei widmet sich vor allem dem Kampf gegen Saddam Hussein und der Auseinandersetzung mit dem islamischen Fundamentalismus. Selbst den Hardlinern scheint zu dämmern, dass sich die Aufrüstung der Mudschahedin in Afghanistan im Kampf gegen die Sowjets als fataler Fehler erwiesen hat. Bemerkenswert außerdem, wie offen einige Ex-Agenten, allesamt gewiss keine Anti-Amerikaner, über die strategische Bedeutung des Ölgeschäfts und die geschäftlichen Interessen der Familie Bush sprechen. William Karels Dokumentation liefert eine kritische und detailreiche Betrachtung amerikanischer Geschichte jenseits von Verschwörungsfantasien.

„Geschichte der CIA“, Arte, 8., 15. und 22. Oktober, jeweils um 20 Uhr 45

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