Morden im Norden : Tot ist tot

Krimis taugen für internationale Koproduktionen, nicht aber Liebe und Humor.

Andrea Tebart

Bezogen auf eine Million Einwohner werden in Deutschland doppelt so viele Menschen ermordet wie zum Beispiel in Schweden. Die Kriminalstatistiken erklären nicht den skandinavischen Krimi-Boom, trotzdem gibt es weltweit nirgendwo mehr Krimiautoren als gerade dort. Produktionsfirmen wie die dänische „Misofilm“ oder die schwedische „Yellow Bird“ sind die nächsten Profiteure in der Nahrungskette. Sie bereiten die Erfolgskrimis gemeinsam mit deutschen Partnern fürs Fernsehen auf. Gerade läuft in der ARD die zweite Staffel von „Irene Huss, Kripo Göteborg“.

Koproduktionen zwischen Deutschland und Skandinavien funktionieren gut. Egal, ob dänische, schwedische oder norwegische Schauspieler für nordische Kriminalfälle vor der Kamera stehen. „Weil sich die Welten hier und da ähneln“, zeigt sich Peter Nadermann überzeugt, bei ZDF Enterprise zuständig für internationale Koproduktionen. „Die Themen sind ähnlich, und selbst das Wetter ist uns vertrauter als das Klima am Mittelmeer. Lauter Faktoren, die im Hintergrund eine Rolle spielen, ob Serien vom deutschen Publikum angenommen werden oder nicht.“

Ein Markenzeichen nordischer Krimis erleichtert die deutsche Akzeptanz ebenfalls. „Es sind meist reale Schauplätze, an denen schaurige Morde passieren. Und deshalb haben sie auch einen touristischen Aspekt“, sagt Nadermann. Die Zuschauer lernen so nicht nur Göteborg, sondern auch Stockholm, Oslo, Bergen, Gotland oder Kopenhagen kennen. Ein Phänomen, von dem gerade kleinere Orte wie Ystad profitieren. In der südschwedischen Heimat von Kurt Wallander aus der Feder von Henning Mankell begeben sich viele deutsche Touristen auf seine fiktiven Spuren.

Verglichen mit Krimi-Koproduktionen kommen andere Genres weniger gut beim Publikum an. Am schwierigsten scheinen Komödien zu sein. Denn in jedem Land lacht man über andere Dinge. Gemeinschaftlich produzierte Liebesfilme gibt es ebenfalls nur wenige. Das Thema Liebe ist viel stärker mit landestypischen Erfahrungen verbunden. Seien es französische, spanische oder – selbst – skandinavische Romanzen. Wenn allerdings deutsche Schauspieler nach einem deutschen Drehbuch in romantischer Kulisse (wo auch immer) auftreten, schalten viele Zuschauer ihren Fernseher ein, wie unschwer an den Inga-Lindström-Verfilmungen im ZDF zu sehen ist.

Kommt es zur Koproduktion, sind beide Seiten bestrebt, die gemeinsame Arbeit zum gelungenen Kompromiss zu machen. Peter Nadermann schätzt die Zusammenarbeit mit den skandinavischen Partnern. Seines Erachtens gibt es dort einen hohen Standard an Qualität, was Regisseure, Autoren und Schauspieler angeht.

Und wie werden umgekehrt die Koproduktionen im Norden gesehen? „Der deutsche Fernsehmarkt ist sehr wichtig für uns“, meint der dänische Produzent Peter Bose, der vor seiner Tätigkeit bei der dänischen Misofilm auch schwedische Kriminalfilme produziert hat. „Der Aufwand, den wir gemeinsam mit einem deutschen Sender betreiben können, ist viel höher, denn 15 bis 20 Prozent von dem jeweiligen Budget werden von deutscher Seite übernommen.“ Die Folge: mehr Action und bessere Darsteller. Aber um eine zweite Staffel auf dem deutschen Markt zu platzieren, ist eine gute Quote in der ersten Runde nötig. „Und zu einem solchen Erfolg gehört manchmal einfach Glück oder die richtige Sendezeit“, meint Peter Bose. „Wenn das Konkurrenzprogramm sehr attraktiv ist, sinken die Chancen. Und da kann ein Sendeplatz zu später Stunde einfach zu spät sein.“ Ähnliches gilt, wenn ein Blockbuster im Gegenprogramm läuft. „Dann haben norwegische oder schwedische Detektive“, resümiert der Däne, „ganz klar weniger Chancen“.

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