Medien : Mozart, Märchen, Totengräber

Tom Peuckert

Nun wollen wir auch einmal dem großen Jubilar unsere Reverenz erweisen. Mozart wird 250 und das Radio feiert aus allen Rohren. Es gibt Mozart im Häppchen und Mozart in der Endlosschleife. Mozart als Mensch und als Musiker, als Genie und als Genießer, als Wildfang und als Wundertüte. Zu den pikanten Appetithäppchen gehört zweifellos Klaus Maria Brandauers Lesung aus den Mozartbriefen . Dreimal täglich liest Brandauer die wilde Prosa seines Landmanns. Ein sehr direkter Zugang zur intimen Geschichte des Salzburgers (Kulturradio, werktags 9 Uhr 30, 13 Uhr 15, 17 Uhr 55, UKW 92,4 MHz).

* * *

Ein ganzes Mozartjahr lang veranstalten die Autoren Karl Dietrich Gräwe und Michael Stegemann eine „Entführung in die Musik“ . Jeden Sonntagnachmittag trifft man sich zu Musik und populärer Analyse. Ein Werk oder eine Werkgruppe aus Mozarts Schaffen werden vorgestellt, es geht um biografische und kompositionsgeschichtliche Hintergründe und vor allen um exemplarische Interpretationen. Am kommenden Wochenende sind die frühen Kammermusiken an der Reihe. Wer seinen Mozart noch einmal gründlich durchstudieren möchte, sollte den Termin nicht verpassen (Kulturradio, sonntags, 15 Uhr 04)

* * *

Im Herbst des Jahres 1787 unternahm Mozart in Begleitung seiner Frau eine Reise nach Prag, um „Don Juan“ daselbst zur Uraufführung zu bringen. So beginnt Eduard Mörikes Künstlernovelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ . Eine ebenso leicht geschriebene wie tief gedachte Interpretation von Leben und Werk des Musikers. Die schöne Hörspielfassung führt uns auf das Schloss des Grafen von Schinzberg, wo der reisende Mozart zufällig in eine Verlobungsfeier gerät. Er improvisiert auf dem Klavier Motive aus dem „Don Giovanni“, die Festgesellschaft ist enthusiasmiert. Nur die junge Braut erkennt einen starken Todestrieb. Wie sich dieser geniale Mensch alsbald „in seiner eigenen Glut verzehren werde“ (Deutschlandfunk, 21. Januar, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

* * *

Vor 25 Jahren kauft ein Mann namens Anderson ein 150 000 Euro teures Gemälde. Das Bild gilt als Kopie eines Werkes von Raffael. Etliche Jahre später sieht sich Herr Anderson in ein modernes Märchen verwickelt. Die Kunsthistoriker wissen nun, dass sein Bild nicht Kopie, sondern Original ist, und damit 150 Millionen wert. In der Münchner Pinakothek hängt dagegen nur ein falscher Raffael. Die wahre Geschichte von Herrn Anderson und seinem Bild, erzählt Peter Josef Angerer in dem Feature „Andersons Märchen“ (Deutschlandradio Kultur, 21. Januar, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

* * *

Feature-Autor Fritz Jahn hat einen professionellen Umbetter getroffen. Seit vierzig Jahren gräbt Erwin Kowalke auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs anonym bestattete Leichen aus. In akribischer Detektivarbeit versucht er, die Identität der Toten zu ermitteln. Kowalke will ihnen ein würdiges Grab verschaffen und den Hinterbliebenen eine letzte Gewissheit. Erst wenn der letzte Soldat würdig bestattet ist, sagt er, sei der Zweite Weltkrieg zu Ende. Kowalke ist angestellt beim Bund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und getrieben von einem christlichen Ethos. Für sein Feature „Kowalke – Porträt eines Umbetters“ fuhr Jahn mit dem Totengräber der besonderen Art in den einstigen Kessel von Halbe (Deutschlandradio Kultur, 25. Januar, 0 Uhr 05).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben