Medien : Mr. Tough Guy

Anthony LaPaglia spielt den FBI-Mann Malone – und schätzt Pierre Littbarski

Andreas Kötter

„Don’t mess with me – Leg dich nicht mit mir an!“ Es gibt eine Hand voll von Schauspielern, die ihrem Gegenüber diese Warnung vermitteln können, ohne die Stimme zu heben oder auch nur die Miene zu verziehen. Gene Hackman ist so ein Typ oder auch James Gandolfini, der Vorstadt-Mafiapate aus den „Sopranos“. Und dann ist da noch Anthony LaPaglia. „Das ist nichts, was ich vor dem Spiegel üben würde“, lacht Anthony LaPaglia. Er hat gut lachen, hat er sich doch mit der TV-Krimiserie „Without A Trace“ nicht nur ins Bewusstsein von Millionen Amerikanern gespielt. Im deutschen Fernsehen läuft „Without A Trace – Spurlos verschwunden“ bei Kabel 1 und von heute an mit neuer Staffel. LaPaglia gibt den Ermittler Jack Malone, Chef einer New Yorker FBI-Spezialeinheit, die sich ausschließlich der Suche nach vermissten Personen widmet.

„Wenn man die Schauspielerei ernsthaft betreibt und nicht gerade ein Superstar wie Tom Cruise ist, dann ist es in den USA gar nicht so einfach, seine Familie zu ernähren. Filme, die an der Kasse erfolgreich sein sollen, brauchen nun einmal einen Superstar. Und der bekommt dann 15 oder 20 Millionen Dollar, während der Rest des Ensembles mit zwei Millionen auskommen muss, gemeinsam wohlgemerkt!“ Der Schauspieler und Familienvater LaPaglia braucht das Fernsehen, braucht Serien wie „Without A Trace“. „Ich bin seit zwanzig Jahren in diesem Geschäft und mit der künstlerischen Seite meiner Karriere sehr zufrieden“, sagt er. Mit der finanziellen, sofern sie vom Kino abhänge, aber kaum. Und da biete das Fernsehen für ihn die Möglichkeit, beide Seiten abzudecken, künstlerischen Anspruch und finanzielle Sicherheit. „In den USA sehen wahrscheinlich in einer Woche mit 22 Millionen mehr Zuschauer ,Without A Trace‘, als ich mit allen meinen 50 Filmen zusammen erreicht habe."

„Without A Trace“ ist das Kind von Hollywood-Produzent Jerry Bruckheimer, der in seinen Kino-Produktionen wie „Con Air“ oder „Armageddon“ stets den großen Sprengmeister gibt, Story aber Story sein lässt. Wie verträgt sich das mit LaPaglias Ambitionen? „Ich hasse Jerrys Kino-Produktionen, seine Filme sind Pop-Entertainment ohne große soziale Bedeutung.“ Umso verblüffender, dass sich Bruckheimers Arbeit für das Fernsehen durch hervorragende Stoffe, atmosphärische Dichte und echte Charaktere auszeichnet. Die Episoden von „CSI“, „CSI:Miami“, vor allem aber „Without A Trace“ sind kleine, vierzigminütige Dramen, Geschichten über geplatzte Träume und vertane Leben. Einmal steht Jack Malone einem Vater gegenüber, dessen Sohn seit fünf Jahren vermisst wird und der alle paar Monate mit einer vermeintlich neuen Spur auftaucht – und wieder enttäuscht wird. Dieser Mann ist Bauarbeiter, ein einfacher, sehr warmherziger Mensch, der dem FBI-Agenten für seine (erfolglosen) Bemühungen dankt und ihn umarmt. Und plötzlich ist dieser harte Cop überfordert, weiß nicht wohin mit seinen Armen, rudert umher. Weil es eben nicht nur um die FBI-Crew geht, ist LaPaglias Jack Malone manchmal eben nur dabei und nicht mittendrin. „Genau das war es, wonach ich gesucht habe“, bestätigt er. „Eine Ensemble-Rolle, die meine Figur nicht zum Mittelpunkt macht. Das hat auch praktische Gründe: So habe ich mehr Zeit für meine Familie.“ Mit der lebt er am liebsten in New York (wenn er nicht gerade – große Ironie – die im „Big Apple“ spielende TV-Serie in Los Angeles dreht), und man wundert sich zunächst nicht, dass LaPaglia oft als der typische New Yorker Italo-Amerikaner besetzt wird. Tatsächlich ist er gebürtiger Australier, der mit zwanzig Jahren nach New York kam. „Damals war Mel Gibson der einzige australische Schauspieler mit internationaler Reputation, nicht zuletzt, weil er seinen australischen Akzent abgelegt hatte, also habe ich das auch getan“, erinnert sich der 46-Jährige. „Heute, da das australische Kino international viel angesehener ist, bedauere ich das ein wenig.“ Weil er sich damit „selbst eingeschränkt hat“. Denn LaPaglia hat die US-Staatsbürgerschaft und fühlt sich „voll und ganz als Amerikaner“.

Mit dem bisweilen unerträglichen amerikanischen Hurra-Patriotismus sollte man das nicht verwechseln. So gilt LaPaglia als überzeugter Bush-Gegner. Schon bei dessen erster Wahl, gegen Al Gore, seien bei den Wahlergebnissen in Florida so viele Fragen aufgetaucht, die bis heute niemand beantwortet habe.

„Wissen Sie, wer Pierre Littbarski ist?“, fragt LaPaglia plötzlich. Der Dribbler, der mit Deutschland 1990 Fußball-Weltmeister wurde? „Ich habe ihn kürzlich kennen gelernt“, sagt LaPaglia, „ein sehr angenehmer Typ, der seit einigen Monaten den FC Sydney coacht. Und das macht er richtig gut!“ Wenige Tage nach dem Interview besiegelte Littbarski mit seinem Team den ersten Meistertitel des Klubs. Dass LaPaglia zu den Eignern des FC Sydney gehört, hatte er verschwiegen.

„Without A Trace – Spurlos verschwunden“, Kabel 1, 21 Uhr 15

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