Medien : MTV und mehr: Musik allein macht Christiane zu Salm nicht glücklich

Stefanie Hornig

Radio fürs Auge - noch vor wenigen Jahren war dies die beste Umschreibung für einen Musiksender. Auch MTV machte bis vor kurzem noch nach dieser Devise Programm. Das soll jetzt anders werden. Christiane zu Salm hat es geschafft, die hundertprozentige Viacom-Tochter innerhalb von zwei Jahren aus einem Tief heraus auf Platz eins zu hieven. MTV erreicht erstmals mehr Zuschauer als Konkurrent Viva. Dabei sank der Gewinn 1999 leicht von 26 auf 24,6 Millionen Mark, was auch an den Aufschaltkosten für den Astra-Satelliten liegt. Zugleich stieg der Umsatz um 2,8 auf 80 Millionen Mark. Der defizitäre Tochtersender VH-1, einst gedacht als "Musiksender für die Fortgeschrittenen", soll zur Hälfte verkauft werden, hieß es auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in München.

Salms Pläne für die kommenden Monate gehen weit über das reine Abspielen von Videoclips hinaus. Mit Veranstaltungen, Zeichentrickserien, Filmen und vor allem mit Internetplänen will sie MTV zu einem Ort machen, "wo Jugendkultur lebt wie nirgendwo sonst". Zu diesem Zweck knüpft sie an den Erfolg von Kultfiguren wie "Beavis und Butthead" an: So werden japanische Manga Comics und amerikanische Zeichentrickserien wie "Spygroove" auf deutsch zu sehen sein. Programmchef Elmar Giglinger hofft, dass "auch deutsche Comiczeichner wie Herr Brösel vielleicht noch eine Geschichte in der Schublade haben, für die bisher kein TV-Sender genug Mut gehabt hat, sie zu senden. Wir werden uns trauen."

Neu ist der Einstieg ins Filmgeschäft: als Ko-Produzent eines Films über die Love-Parade hat sich MTV die exklusiven Ausstrahlungsrechte an dem Kinofilm von Regisseur Roman Kuhn gesichert. Künftig werden pro Jahr etwa drei Eigenproduktionen laufen, was sich der Sender einen zweistelligen Millionenbetrag kosten lässt.

Was permanent das Programm ergänzen soll, ist das Internetangebot. Bis Jahresende soll jede einzelne MTV-Show ihre Entsprechung im Internet bekommen. Ziel ist "größtmögliche Konvergenz" zwischen TV- und Internet-Angebot, das heißt: Die Zuschauer, die den Fernseher abschalten, sollen am besten gleich danach ins Internet gehen, und dort natürlich nur auf die MTV-Seite. Ihre Zielgruppe, 14- bis 49-Jährige, bezeichnen die Macher als "online-affin". "Die Zuschauer haben den PC direkt neben dem Fernseher", weiß Giglinger. Und genau das will MTV ausnutzen. "Wenn die Leute an Madonna denken, sollen sie unsere Homepage zuerst anklicken", ist Salms Vorstellung. MTV als einzige Heimat der Stars, so soll es sein und nicht anders. Präsentiert wird das Ganze in Zukunft auch von neuen Moderatoren, unter anderem von Christoph Schlingensief (ab Oktober in "Terror Talk 2000") und Markus Kavka (ab 19. August in "MTV News"), früher Moderator auf Viva 2. Ausgerechnet von Erzrival Viva.

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