Medien : Münster: Verleger spricht von „Notoperation“

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Die heftig kritisierte Ablösung der kompletten Lokalredaktion der „Münsterschen Zeitung“ (wir berichteten) hat ihr Verleger Lambert Lensing-Wolff am Freitag mit einer Existenzbedrohung für das Blatt begründet. Dem Fachblatt „kress report“ sagte er: „Wir standen vor der Entscheidung, jetzt zu handeln oder mittelfristig unterzugehen.“ Das Qualitätsniveau der bisherigen Redaktion bezeichnete er als „unterirdisch“. Lensing-Wolff hatte Ende Januar die Lokalredaktion komplett durch eine neue Mannschaft ersetzt.

Der Deutsche Journalisten-Verband warf dem Verleger daraufhin vor, die alte Redaktion zu verunglimpfen und Tarifverträge gezielt zu verletzen. Der Zeitungsverlegerverband NRW hielt den Gewerkschaften seinerseits vor, durch „Besitzstandsdenken und mangelnde Flexibilität in der Tarifpolitik“ selbst zu Entwicklungen wie bei der „Münsterschen Zeitung“ beigetragen zu haben.

Lensing-Wolff zufolge strebt der Verlag eine Abfindungslösung für die 17 bisherigen Redakteure an. Die mehrfach genannte Summe von zwei Millionen Euro könne er „nicht dementieren“, sagte er. Die Ablösung der Redaktion nannte er „eine absolute Notoperation“ ohne Alternative. Er gebe sich aber eine Mitschuld, denn „ich hätte früher erkennen müssen, in welchem Maße das hier in Münster schief läuft.“ Die „Münstersche Zeitung“ hat eine Auflage von rund 50 000 Exemplaren. Der Marktführer in Münster, die „Westfälischen Nachrichten“, erreicht eine Gesamtauflage von 213 000 Exemplaren. dpa

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