Medien : Müntefering in Zeitlupe

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Herr Roth, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien geärgert?

Der Tag, an dem der SPDVorsitzende Franz Müntefering am Rednerpult zusammenbrach, war zugleich auch der Tag, der mal wieder die Zweifel an der eigenen Zunft verstärkt aufkommen lässt: Eine Reihe von Fernsehsendern (und ein großes deutsches Boulevardblatt) haben sich nicht entblödet, diese Szene in Großaufnahme und Zeitlupe zu zelebrieren. Nein, es geht nicht darum, dieses Ereignis zu verschweigen bzw. nicht zu dokumentieren. Aber muss es in dieser Gnadenlosigkeit sein? Auch in der Schwäche hat ein Mensch Würde – und ein Recht darauf, dass sie bewahrt wird. Ich weiß, die Zeiten sind nicht so und jedem Politiker würde das gleiche Schicksal blühen, egal aus welcher Partei. Keine guten Zeiten.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Die Rückkehr von Harald Schmidt. Wie schafft er es bloß, in dieser „alten“ Frische immer wieder neu, witzig und provokativ (und gelegentlich „drüber“) zu sein. Ich gebe es zu, ich amüsiere mich köstlich. Das ist ein Grenzgänger, stimmt. Aber er hebt sich vom medialen Grundrauschen der Republik immer noch erfreulich ab.

Thomas Roth

ist Moderator des

„Berichts aus Berlin“ und Chefredakteur

des ARD-Hauptstadtstudios.

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