Medien : Mütter und andere Monster

„Krieg der Frauen“: Birge Schade spielt die Glucke, die sie selbst nicht sein will

Barbara Bückmann

Jemand hat mal die Zwei-Drittel-Theorie aufgestellt: Bei einer Frau klappt es entweder mit Mann und Nachwuchs oder Mann und Karriere oder Karriere und Kindern. Nie kriegt man den ganzen Kuchen. Eine Bebilderung dieser These liefert die ZDF-Komödie „Krieg der Frauen“, in der Birge Schade eine überzeugte Vollzeit-Mama spielt.

Im wirklichen Leben wird sie im Dezember erstmals Mutter – und ist optimistisch, dass sie und ihr Mann, ein Jazzmusiker, das Kind schon schaukeln, ohne gleich die Karriere dranzugeben. „Mein Beruf ist mir sehr wichtig. Außerdem ginge es wirtschaftlich nicht“, sagt die 37-Jährige klar. Ihre TV-Figur Katharina hat sich an der Seite ihres Psychologenmannes im häuslichen Dasein eingerichtet, das aus der Organisation von Kinderladenfesten, Spielplatzbesuchen und Praxisputzen besteht. Bis in der Wohnung drüber ein Konkurrenzmodell einzieht: Sophie (Gesine Cukrowski), die jeden Tag aufs Neue versucht, ihrem aufreibenden Bank-Job, dem hilflosen Au-Pair-Girl und den Bedürfnissen ihrer Kinder gerecht zu werden.

Die Glucke macht nun mobil gegen die Rabenmutter, Strickjacke kämpft gegen Hosenanzug, Pferdeschwanz gegen Lippenstift. Klischees mischen sich mit trefflichen Beobachtungen. Was unbestreitbar ist: Frauen machen sich gegenseitig das Leben schwer, indem sie sich die Defizite des jeweiligen Lebensentwurfs unter die Nase reiben.

Von diesen „Besserwisser-Müttern“ haben ihr ihre Freundinnen erzählt, sagt Birge Schade. Für sie ist das noch sehr abstrakt. Dass sich bald alles „nur noch ums Kind dreht“, kann sie sich nicht vorstellen. Und sich in „Abhängigkeit“ zu begeben, komme gar nicht in Frage. Den Mann um Geld bitten zu müssen, empfände sie als „demütigend“. Wenn sie das in ihrem leicht nöligen, norddeutschen Tonfall vorträgt, versteht man, warum sie so häufig als Mutter besetzt wird. Etwa als überforderte Alleinerziehende in der Tragikomödie „Bin ich sexy?“ (wie „Krieg der Frauen“ von der dffb-Absolventin Katinka Feistl inszeniert), als frustrierte Polizistenfrau in „Mord am Meer“ oder religiöse Eiferin in „Delphinsommer“.

Denn die neue deutsche Mutter ist vor allem eines: genervt. Und das kann Birge Schade wunderbar authentisch rüberbringen. Sie selbst ist erstaunt über diese Rollenangebote: „Ich bin immer überrascht, was die Regisseure in mir sehen“, sagt sie und macht große Augen. Sie hat sich eine naseweise Ausstrahlung bewahrt, als würde sie immer noch mit dem Fuß aufstampfen, wenn ihr etwas nicht passt.

Aufgewachsen ist sie im bayerischen Ingolstadt, wo der Vater, der ursprünglich als Schiffsingenieur zur See fuhr, bei einer Raffinerie anheuerte. Doch gebürtig ist sie aus Schleswig-Holstein. Dieser Landstrich hat ihr Temperament geprägt, diese gewisse Sperrigkeit, die ihren darstellerischen Reiz ausmacht. Dazu passt der kantige Name: Birge, auch aus dem Norden. „Da machen viele Birgit draus.“ Als Kind träumte sie davon, Ballerina zu werden. Die nach dem Abitur begonnene Tanzausbildung brach sie ab, „es hätte bei mir nicht gereicht“. Sie wechselte in München an eine Schauspielschule, arbeitete in freien Gruppen und ein paar Jahre bei der Bremer Shakespeare Company – und rutschte so nebenbei ins Film- und Fernsehgeschäft. Ihr schönes, großflächiges Gesicht tauchte in zahlreichen Krimiserien auf, beim Fernsehspiel wurden ihr die handfesten, dramatischen Stoffe eher angetragen als leichte Liebeskomödien. Geplant hat sie das nicht: „Ich bin keine Schauspielerin, die sich tolle Sachen für sich selbst ausdenkt.“

1997 zog sie nach Berlin: „Die Stadt hat Platz für Leute, die nicht wissen, wo sie hingehören.“ Hier lernte sie ihren Mann kennen. Und mittlerweile hat sie sich einen festen Platz auf dem Bildschirm erobert – 2005 wurde sie mit dem Deutschen Fernsehpreis als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet, unter anderem für die mütterliche Hure Rosa in Dominik Grafs „Hotte im Paradies“.

Dabei kennt sie gar keine Nebenrollen: „Ich habe immer das Gefühl, dass meine Figuren Hauptfiguren sind.“ Wenn sie eine „Tatort“-Kommissarin spielen dürfte, wie sollte die gestrickt sein? „Gibt’s von denen nicht genug? Wenn, dann wäre es eine Gestalt, die Dinge anpackt, die für sie ’ne Nummer zu groß sind. Die Drahtzieher erwischt man ja doch nie. Ich habe da eine eher skeptische Weltsicht.“

Dieser Tage steht Birge Schade für einen Fernsehfilm mit Joachim Król vor der Kamera. Andere Angebote musste sie absagen. Was auch daran liegt, dass manche Produzenten ungern das Risiko eingehen, mit Schwangeren zu drehen. Denn die Filmausfallversicherungen versichern werdende Mütter nicht.

Die Karriere-Mama aus dem „Krieg der Frauen“ hat übrigens ein reales Vorbild. Die teamworx-Chefin Ariane Krampe, die gemeinsam mit Nico Hofmann eine der erfolgreichsten Produktionsfirmen betreibt und auch diesen ZDF-Film realisierte. Ariane Krampe hat zwei kleine Kinder, die sie mittlerweile allein großzieht. Die Zwei-Drittel-These stammt von ihr.

„Krieg der Frauen“, ZDF, 20 Uhr 15

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