MULTIKULTI : Multicult2.0 in der Markthalle – und bald auch auf UKW?

Fast ein Jahr ist die melancholische Abschiedssendung des RBB-Senders Radio Multikulti her, der den Sparmaßnahmen der ARD-Anstalt zum Opfer fiel.

Ferda Ataman

Schon damals hatte sich eine Gruppe von Mitarbeitern entschlossen weiterzumachen, mit oder ohne den RBB. Der RBB zeigte kein Interesse, und so gründete eine Handvoll Freiwilliger den Sender „multicult2.0“, der legal, aber ohne Frequenz seit bald einem Jahr ein durchgehendes Programm im Internet sendet. Er finanziert sich durch ehemalige Hörer und Spenden – die wenigsten hätten damit gerechnet, dass sich das Projekt hält. Doch wenige Tage vor seinem Jubiläum verkündete das Team nun den Durchbruch: Ab 2010 sendet „multicult2.0“ nicht mehr aus einem selbstgebastelten Styropor-Zelt, sondern aus einem „gläsernen Studio“ in der Kreuzberger Markthalle am Marheinekeplatz.

Die interkulturellen Radiomacher kämpfen immer auch um politische Legitimation. Deshalb luden sie zur Begehung der Räumlichkeiten Senats- und Bezirkspolitiker ein, Grünen-Chefin Claudia Roth schrieb ein anfeuerndes Grußwort. Das „Fenster zur Welt“ heißt das neue Studio, das der Markthallenbesitzer kostenlos zur Verfügung stellt. Noch ist davon wenig zu sehen. Wenn aber das Glas eingesetzt und der Kasten im ersten Stock der Halle lärmgeschützt ist, sollen die Moderatoren, Redakteure und Tontechniker aus Leidenschaft über den Obst- und Gemüseständen ihr interkulturelles Programm senden.

Und auch das habe sich weiterentwickelt, erklärt Projektleiterin Brigitta Gabrin. Der Sender hatte nach einer digitalen Lösung für das Problem mit Sendungen in Muttersprachen gesucht, weil dabei ein Teil der Hörer sprachlich ausgegrenzt wird. „Wir haben jetzt lange genug mit einer Software namens Audiantis experimentiert“, sagt Gabrin. Damit könne eine Sendung zeitgleich in mehreren Sprachen angeboten werden. Ab dieser Woche geht das entsprechende Angebot online: Zunächst in Form der Kindersendung „Multipieps Kultmatz“, die Sprachen fördern und Spaß machen soll. Damit will der Sender seinem drängendsten Ziel näher kommen – einer UKW-Frequenz ab Frühjahr 2010. Ferda Ataman

www.mulitcult20.de; „Multipieps Kultmatz“: Montag bis Freitag, ab 19 Uhr 05, in sechs Sprachen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben