Muriel Baumeister : Schöner Stress

Zwischen Image und Wirklichkeit, zwischen Toskana und "Tatort" – ein Treffen mit Muriel Baumeister.

Markus Ehrenberg
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Muriel Baumeister.Foto: ARD

Szenen aus einem Serienkrimi müssen ja nicht immer symptomatisch für die Karriere eines Schauspielers sein, aber wenn Muriel Baumeister im „Tatort“ am Sonntag an einer Stelle ins eiskalte Wasser springt (oder besser fällt), dann ist das eine Steilvorlage für Journalisten. Für die 36-Jährige hat es schon viele Aufs und Abs in ihrem Leben gegeben. Mit 16 Jungstar in der Serie „Ein Haus in der Toskana“, mit 21 das erste Kind, eine Heirat, Scheidung, neuer Partner, zweites Kind, wieder eine Trennung, über 60 Filme, zwischendurch ein Zusammenbruch. Das reicht manchmal für zwei Leben, ist der Tochter von Schauspieler Edwin Noël und Tanzpädagogin Barbara Haselbach aber nicht anzusehen, wenn man sie in diesen trüben Dezembertagen in einem Charlottenburger Café trifft.

Nur die schnelle Zigarette im Stehen vor der Tür erinnert daran, dass es im Leben der Schauspielerin zurzeit unruhiger zugeht. Sechs Filme mit Muriel Bau meister liefen 2008 im Fernsehen, darunter der „Besuch der alten Dame“ mit Christiane Hörbiger und nun der „Tatort – Granit“, ein düsteres Bergdrama, in dem die Baumeister – etwas gegen den Strich besetzt – eine verdächtige Topreporterin spielt, die Chefinspektor Eisner (Harald Krassnitzer) schöne Augen macht.

In Sachen Rollenschubladen und kalte Wasser könnte man mit Muriel Baumeister gleich loslegen, zunächst dreht es sich aber um – Kinder. Gerade eben an diesem Morgen hat sie ihre dreijährige Tochter in die Kita gebracht. Erfolgreiche Schauspielerinnen ihrer Generation gibt es reichlich, vor allem in Berlin, Allein erziehende dabei eher weniger. Ob es für Muriel Baumeister schwieriger ist als für Kolleginnen, an begehrte Rollen zu kommen? Sie nippt an ihrem Tee, atmet durch. „Ich kann schwerer sagen, das oder das mache ich irgendwo anders, fern von meinen Kindern, oder für kein Geld.“ Auch der vierwöchige Dreh beim ORF-„Tatort“ war hart.“ Sie fährt normalerweise nach jedem Nachtdreh nach Hause, zu ihrer Tochter und dem 14-jährigen Sohn, fliegt bei Arbeiten wie dem „Tatort“ am Wochenende mit der ersten Maschine heim. „Generell gibt’s bei mir kein schönes Wochenende mit Ausschlafen und so. Das ist schon heftig, stressig. Vieles von dem Stress mache ich mir aber auch selbst.“

Muriel Baumeister ist eine der meistbeschäftigten Schauspielerinnen in Deutschland

Das ist kaum zu glauben. Muriel Baumeister sieht im Winter 2008 genauso mädchenhaft und ungestresst aus wie 1990, als sie mit der Vorabendserie „Ein Haus in der Toskana“ und einer niedlichen Tochterrolle über Nacht berühmt wurde. Eine Popularität, die ihren Preis hatte. Seither läuft der Schauspielerin so ein bisschen das Image „Kindfrau“ hinterher. Die Goldene Kamera erhielt sie 1993 als beste Nachwuchsdarstellerin, eine Serienkillerin dürfte die Baumeister, Phänotyp Kindfrau, in ihrer Karriere aber kaum noch spielen. „Ich weiß nicht, woran das liegt. Meine Mutter ist 70, die hat den Habitus und die Gestik von einem jungen Mädchen.“

Dennoch oder gerade deswegen: Muriel Baumeister ist eine der meistbeschäftigten Schauspielerinnen in Deutschland. Dass bei über 60 Filmen einige dabei sind, in denen das Wort „Liebe“ vorkommt, stört sie kaum. „Gut, dabei sind vielleicht zwei, drei Filme, die ich mir hätte schenken können. Wenn ich nur für mich alleine sorgen müsste, würde ich manchmal vielleicht noch genauer auswählen.“ Aber, und das muss ihr jeder Kritiker zugutehalten, der bei Pilcher-Filmen die Nase rümpft: Diese Sachen spielt sie genauso professionell wie den „Tatort“, das Ehedrama „Bis dass der Tod uns scheidet“, die Sat-1-Serie „Bis in die Spitzen“ oder den „Menschenfeind“ am Potsdamer Theater. „Alles andere wäre eine Unverschämtheit.“

Mit Unverschämtheiten umzugehen, hat Muriel Baumeister gelernt. Und das, spätestens, ist der Grund, einmal nachzufragen, wie sich eine Schauspielerin ihrer Kategorie trotz vieler Aufs und Abs so lange im Geschäft hält. Da sind ja noch die unangenehmeren Begleiterscheinungen ihrer frühen Berufswahl. Schlagzeilen à la „Ich glaube nicht mehr an die große Liebe“ nach zwei gescheiterten Beziehungen mit den Schauspielern Rainer Strecker und Pierre Besson. Als sich Besson vor gut zwei Jahren von Muriel Baumeister getrennt hatte, wurde das lange unterm Deckel gehalten. „Die Boulevardpresse saß uns im Nacken. Uns war klar, irgendwas muss getan werden.“ Besson und Baumeister haben ein Interview mit der „taz“ geführt. „Im Rahmen des Interviews wurde ich mit einem Augen zwinkern gefragt: Ja, warum haben Sie sich denn nun getrennt? Ich habe zurückgezwinkert und geantwortet: Weil ich mich, als Pierre Besson in Kenia bei Dreharbeiten war, in einen schwarzen Massai-Krieger verliebt habe. Das dürfen Sie schreiben.“ Das hat die „taz“ getan. Eine Boulevardzeitung schrieb daraufhin: „Baumeister – Liebes-Aus in Afrika. Baumeister verlässt Besson wegen schwarzem Massai-Krieger.“ „Ich habe in meinem Leben noch nie so gelacht.“ Da schwingt Stolz mit.

"Schauspieler ist ein Beruf wie alle anderen auch"

Der Baumeister hat diese Medienente nicht geschadet. Sie ist nicht die Berben, die Furtwängler, die Ferres – aber das Interesse an ihrer Person ist groß und steht in einem angenehmen Missverhältnis zu dem Interesse, das sie selber an ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit hat. Schauspieler-Porträts leiden ja schon mal darunter, dass da nicht immer allzu viel hinter den zig TV-Rollen und Masken ist, was sich zu hinterfragen lohnt. Ganz zu schweigen davon, dass am Ende eines Schauspieler-Journalisten-Gesprächs manches von dem, was gesagt wurde, ungedruckt bleibt. Das Bild unvollständig bleibt, bleiben muss. Eine schöne Moment aufnahme, nicht weniger, nicht mehr. Muriel Baumeister sagt: „Schauspieler ist ein Beruf wie alle anderen auch.“ Das solle nicht nach Nestbeschmutzung klingen, „aber es gibt schon Momente, wo ich mich umgucke und denke: Da hättest du was anderes machen sollen. Diese Schnelligkeit, diese Oberflächlichkeit.“

Auch in solchen Momenten ist eine Zigarette drin. Sie zeigt dem Reporter das Buch, aus dem sie ihrer Tochter mittags vorlesen will, erzählt von Weihnachten, das sie mit den Vätern ihrer beiden Kinder bei der Mutter in Salzburg verbringt. „Ich bin ja nicht alleine – ich lebe nur ohne Partner.“ Sie strahlt. Und sagt einen Satz, der nun wirklich nicht nach Kindfrau klingt: „Das einzig Sichere im Leben ist der Zweifel. Ich hätte es auch gerne anders. Es ist anstrengend.“ Sie findet den Buddhismus „wahnsinnig spannend“. Da hätte sie gerne mehr von, „um mehr Ruhe und Erdung zu finden“. Ist Muriel Baumeister ein glücklicher Mensch? „Ich bin zufrieden.“

„Tatort“, Sonntag, ARD, 20 Uhr 15

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