Medien : Musik aus dem Internet

Tipps, Preismodelle, die besten Online-Portale – und wovon man die Finger lassen sollte

Dorothee Schmidt,Markus Ehrenberg

Sicherheitsprobleme, mit Viren verseuchte Musikdateien, Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft bei illegalen Downloads, daneben immer mehr Online-Shops, die legal Musik anbieten – die Frage, wie man sich am besten aus dem Internet mit Musik bedient, beschäftigt Computernutzer und Musikfans. Gerade jetzt im Frühling, wo die mobilen Player für Musik unterwegs mit neuen Songs bespielt werden. Bis vor ein paar Jahren regelten das die Internetnutzer untereinander, mühelos, sorglos mittels Kontakt auf Musiktauschbörsen wie bei Napster. Mittlerweile haben sich die Gewichte verschoben. Parallel zu den wachsenden, legalen Angeboten der Musikindustrie wächst die Gefahr, beim illegalen Herunterladen von Musik aus dem Internet erwischt zu werden. Gerade erst teilte Stiftung Warentest mit, dass es neuerdings zigtausende Anzeigen von der Industrie für ahnungslose User hagelt (siehe Kasten). Musik aus dem Netz – was geht, was nicht, was kommt noch?

KOSTENLOSE ANGEBOTE

Gibt es im Prinzip nicht mehr. Zumindest nicht sicher. Zum einen hat sich die Rechtslage so verschärft, dass sich niemand, der „zufällig“ auf eine Internetseite gerät und kostenlose Songs herunterlädt, mehr darauf hinausreden kann, er habe das alles nicht einschätzen können. „Wer populäre, aktuelle Musik gratis im Internet findet, kann und muss davon ausgehen, dass die zu 99 Prozent illegal im Netz angeboten wird“, sagt Andreas Hentschel von der Computerzeitschrift „Chip“. Zum anderen, und das kann genauso teuer und verheerend sein wie eine Strafverfolgung, ist es möglich, dass sich Downloader mit Datenpaketen von halbseidenen Websites Viren oder Spyware auf den heimischen PC holen.

DOWNLOAD FÜR EINSTEIGER

Die Industrie versucht, unschlüssige Internetnutzer mit kostenlosen Angeboten auf die legale Seite zu ziehen. Das MP3-Musikmagazin tonspion.de informiert über im World Wide Web frei verfügbare MP3Dateien, die von diversen Firmen angeboten werden. Daimler stellt regelmäßig einen „Mercedes Benz Mixed Tape“ mit kostenloser Lounge-Musik zusammen. Independent Labels geben genau einen Song aus neuen CDs für den Gratis-Download frei. Wer auf den Geschmack gekommen ist, wird für den Rest des Albums zur Kasse gebeten. Vorsicht bei ausländischen, kostenpflichtigen und auch günstigen Angeboten wie all-of-mp3.com. Der russische Online-Musik-Shop ist unter Insidern ziemlich beliebt, verweist aber im Kleingedruckten darauf, dass der Dienst nach heimischer Rechtslage erlaubt ist. „Das gilt nicht für ausländische Nutzer“, warnt Andreas Hentschel.

WAS BIETEN DIE PORTALE?

Wer bei den großen Online-Shops wie Musicload (T-Online), iTunes (Apple) oder AOL einkauft, ist auf der sicheren Seite.Und alles, was bei Saturn im Regal steht, gibt es auch im virtuellen Warenhaus. Musicload hat eine Million Titel im Angebot. iTunes hatte 2005 insgesamt 15,5 Millionen Downloads zu verzeichnen, Musicload 15,3 Millionen, AOL rund sechs Millionen. Geschäftsmodelle und Nutzerführung ähneln sich. Anmelden, eventuell Software downloaden, Musiksong suchen, anklicken, zahlen (mit Kreditkarte oder Konto-Anlegung), herunterladen. Für Neueinsteiger gibt es Hilfe-Touren. Nachteile beim iTunes Music Store: Die Musik läuft nur auf iPod, dem mobilen Abspielgerät von Apple. Songs von Musicload oder AOL mit den Formaten MP3 oder wma laufen auf allen MP3-Playern . Der Vorteil bei iTunes: Die Songs sind mit 99 Cent am günstigsten, ein Album kostet 9,99 Euro. Motto: Jedes Stück der gleiche Preis. Bei Musicload kostet ein Song zwischen 0,79 Euro und 1,49 Euro, ein Album zwischen 8,95 Euro und 14,95 Euro. Daneben gibt es zahlreiche Portale mit temporären Preismodellen für diverse Geschmäcker. eMusic verkauft Independent-Musik wie zum Beispiel alle Alben von „The Fall“, bietet Downloadskeptikern vierzehntägige Schnupper-Abos an. Ein Monat bei eMusic kostet 9,99 Dollar. Dafür bekommt man 40 Downloads (ein Song = 25 Cent). Der Konkurrenzkampf ist groß, der Markt wächst und wächst. Die Zeitschrift „Chip“ testet fürs nächste Heft (erscheint in zwei Wochen) die besten Download-Portale.

NUTZUNG: WOHIN MIT DEM SONG?

Musik im Internet einkaufen ist das eine, diese dann endlos nutzen eine Sache für sich. „Die Sache mit den Nutzungsrechten könnte transparenter sein“, sagt Andreas Hentschel. Jede Musikdatei umfasst eine Lizenz, die automatisch und für den Nutzer unsichtbar auf den Computer gespeichert wird. Diese Lizenz gibt an, wie häufig der jeweilige Titel gebrannt oder kopiert werden kann. Wer also bei iTunes, Musicload oder AOL Musik erwirbt, darf die auf eine begrenzte Anzahl von mobilen Playern, CDs und Rechnern übertragen beziehungsweise nutzen, wobei die Übertragung auf mobile Abspielgeräte am häufigsten möglich ist. Auf CDs brennen darf man meistens nur fünf bis zehn Mal. Eines geht immer: auf dem PC unbegrenzt Hören.

KAUFHAUS ODER INTERNET?

Noch etwas fällt auf mit dem legalen Musikboom im Internet: das Comeback des physischen Musikträgers. „Oft lohnt sich wieder der Vergleich, ob die neue CD im Kaufhaus für 9,99 Euro nicht doch genauso preiswert ist wie im Online-Shop“, sagt Andreas Hentschel. Es herrscht momentan großer Konkurrenzdruck und Preiskampf in der Musikszene.

Im Internet:

www.musicload.de

www.apple.com/de/itunes

www.aol.de/musik

www.emusic.com

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