Musikkonzern : Emi muss ums Überleben kämpfen

Einst gehörte der Musikkonzern EMI mit Künstlern wie den Beatles, Depeche Mode oder Robbie Williams zu den Stars der Branche - nun kämpft das britische Unternehmen ums Überleben: Seit der Übernahme durch den Finanzinvestor Terra Firma vor zweieinhalb Jahren häufen sich die Probleme massiv.

Robbie Williams
Adieu Emi? Mit Robbie Williams lag der Konzern ganz weit vorn, doch inzwischen warnt Emi vor Zahlungsschwierigkeiten. -Foto: Getty

LondonBerlin/London - Der Name verspricht Boden- und Beständigkeit. Terra Firma – wörtlich feste Erde – heißt der Finanzinvestor, der 2007 die britische Plattenfirma Emi für 2,4 Milliarden Pfund übernommen hat. Seitdem jedoch wackelt der Boden, auf dem das Unternehmen steht, gewaltig. Derzeit kämpft der Konzern, bei dem Künstler wie Depeche Mode oder die Band Coldplay (Foto) unter Vertrag stehen, ums Überleben.

Seit der Übernahme durch Terra Firma häufen sich die Probleme massiv. Am Donnerstagabend warnte Emi vor Zahlungsschwierigkeiten, nachdem sich der Schuldenberg immer höher auftürmte und das Unternehmen noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht war.

Im Geschäftsjahr bis Ende März 2009 machte Emi einen Verlust von 1,56 Milliarden Pfund (rund 1,8 Milliarden Euro) – im Vorjahreszeitraum hatte das Minus 412 Millionen Pfund betragen. Schuld daran waren Abschreibungen von mehr als einer Milliarde Pfund vor allem auf den Wert des Musikkatalogs. Terra-Firma- Chef Guy Hands soll bereits an seine Investoren herangetreten sein, um eine weitere Finanzspritze von 120 Millionen Pfund aufzutreiben. Wenn die Investoren kein neues Geld zuschießen, könnten die Gläubiger von der Citigroup schon bald das Ruder bei der Plattenfirma übernehmen.

Im März steht die Überprüfung von Kreditverträgen an – und dabei wird Emi ohne frisches Geld möglicherweise durchfallen. Die Unternehmensprüfer von KPMG warnten im Emi-Geschäftsbericht davor, dass der Traditionsmusikverlag seinen Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen könnte. Die Schulden überstiegen das Betriebsvermögen um 408 Millionen Pfund. KPMG meldete deshalb „erhebliche Zweifel“ an, ob das Unternehmen  unter diesen Umständen den laufenden Betrieb fortsetzen könne.

Ein Grund für die Krise bei Emi sind illegale Musikdownloads und sinkende CD-Verkäufe, die der ganzen Branche zu schaffen machen. Die Plattenfirma ist zudem der Mittelpunkt eines Rechtsstreits zwischen Terra Firma und der Citigroup. Terra Firma verlangt eine Entschädigung, weil die US-Bank den Investor beim Kauf von Emi angeblich getäuscht hatte. Demnach soll die Citigroup den Preis in die Höhe getrieben haben, indem sie nicht deutlich gemacht habe, dass ein Bieter sich damals zurückgezogen hatte.

Bei Emi brodelt es derweil weiter. Im Zuge eines Sparprogramms fielen bereits 2000 Stellen weg. Das Gerangel seit der Übernahme schuf auch Misstöne mit den Künstlern. Die Rolling Stones wechselten 2008 nach mehreren Jahrzehnten zum Konkurrenten Universal Music. Auch die Band Radiohead kehrte Emi den Rücken, und Paul McCartney fällt zu seiner ehemaligen Plattenfirma nur noch ein Wort ein: „langweilig“. mho/dpa

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