Medien : Musiktausch im Internet: Bei Middelhoffs unter der Bettdecke

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Der Sohn von Thomas Middelhoff ist kriminell. Abends, vorm Einschlafen, unter der Bettdecke, hört sich Frederic Harry-Potter-Audiofiles über sein WAP-Handy an. Das sind Dateien, die er sich illegal aus dem Internet heruntergeladen hat und ist genauso wenig erlaubt wie das Tauschen von urheberrechtlich geschützten Musikstücken nach dem Napster-Prinzip. Vater Middelhoff muss sich wohl keine Sorgen mehr machen: Noch in diesem Jahr kann Frederic napstern, so viel er will. Legal, für ein paar Mark im Monat. Bis Ende 2001 soll Napster wieder ans Netz gehen. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG auf der Internationalen Konferenz für Film- und Fernsehproduktion "Babelsberg 2001" an, die am Dienstag zu Ende ging.

Der neue Auftritt von Napster lässt seit Monaten auf sich warten. Bislang haperte es an dem Verfahren, alle urheberrechtlich geschützten Musikstücke vor Hackern zu sichern. Laut Middelhoff befindet sich eine neue Technik in der Testphase, die mit einer Art digitalem Fingerprint arbeitet: "Damit können wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,4 Prozent garantieren, dass das kostenpflichtige Napster funktioniert, ohne dass Musikdateien illegal getauscht werden." Das Napster-Abonnement soll um die fünf Mark im Monat kosten. Bertelsmann hatte die Musiktauschbörse im Frühjahr gekauft, um sie in ein kommerzielles Geschäftsmodell zu überführen.

Dem Napster-Prinzip prophezeite Thomas Middelhoff auch für andere Inhalte, die Bertelsmann produziert, eine große Zukunft. Ob Buch-, Musik oder Film-Geschäft - alles soll digitalisiert werden: "Peer-to-Peer ist die Zukunft des Medienunternehmens." Fragt sich bloß, ob die Kids wirklich Geld für Musik aus dem Internet bezahlen wollen. Thomas Middelhoff kann das ja schon mal zu Hause beobachten, bei seinem Sohn.

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