Medien : Musikzimmer frei

Das ZDF sucht nach neuen Formen für Klassik im Fernsehen – und entdeckt Götz Alsmann

Frederik Hanssen

Er begleitet Patricia Kaas auf dem Flügel, er kalauert sich mit dem Tenor Rolando Villazón durch „La Cucaracha“, er parodiert auf liebevollste Weise den fliedelnden Holländer André Rieu, er singt Offenbach-Couplets und plaudert mit Yvonne Catterfeld – Götz Alsmann ist der Johannes Heesters des 21. Jahrhunderts: Ein Alleskönner-Entertainer, der mit sensationeller Spontanität selbst die heikelsten Situationen meistert. „Die große Nachtmusik“, die Alsmann heute Abend erstmalig im ZDF präsentiert, wurde in den Münchner Bavaria-Studios aufgezeichnet; zumindest für den Moderator wäre aber auch eine Live-Show kein Problem gewesen.

Das Zweite schraubt mal wieder an seinen E-Musik-Formaten herum: „Klassisch!“ mit Senta Berger wird es nicht mehr geben, der Sendeplatz für eine nachmittägliche Musiksendung an Feiertagen bleibt aber erhalten. Die „Große Nachtmusik“ dagegen soll die „Sunday Night Classics“ ersetzen: Auch bei Alsmann treten abwechselnd Klassik- und Pop-Interpreten auf. Im ZDF glaubt man felsenfest daran, dass mit diesem Stilmix junge Zuschauer an die so genannte ernste Musik herangeführt werden können. Nun ist Alsmann als Gastgeber ein absoluter Glücksgriff und als studierter Musikwissenschaftler auch fachlich versierter als die von keinerlei Fachkenntnis angekränkelten Moderatoren der „Sunday Night Classics“ – doch Abschaltimpulse gibt es auch bei dem neuen Format jede Menge: Denn nur wenige Menschen, die Angela Gheorghiu als Puccinis „Tosca“ goutieren, halten anschließend auch Yvonne Catterfeld als Soul-Interpretin aus.

Wenn das Kulturmagazin „Aspekte“ an diesem Freitag zugunsten der neuen 75-Minuten-Show vom angestammten Sendeplatz nach dem „heute-journal“ auf 23 Uhr 30 rutscht – und auch in der kommenden Woche zugunsten von Anke Engelke und Olli Dittrich in „Blind Date 6“ verschoben wird –, so soll das keineswegs falsch verstanden werden: Der Sendeplatz von „Aspekte“, betont man in Mainz, werde „in keiner Weise“ in Frage gestellt.

„Eine große Nachtmusik“: ZDF,

22 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar