MySpace : Markus Kavka: Der Entdecker

Von MTV zu MySpace: Markus Kavka sucht jetzt im Netz nach neuen Talenten. Knapp über 14.000 virtuelle Freundschaften pflegt der Moderator bei dem sozialen Netzwerk inzwischen.

Sonja Pohlmann
Kavka
Noch nicht erwachsen. Markus Kavka , 41, moderierte lange bei MTV. Jetzt bekommt er bei MySpace eine eigene Show. -Foto: Promo

Um neue Freundschaften zu schließen, saß Markus Kavka neulich bis zwei Uhr morgens vorm Computer. Fast 250 hat er in dieser Nacht geschafft. Kavka ist schon fast süchtig danach, im Netz neue Freunde zu finden – nicht etwa aus Angst zu vereinsamen, sondern um bloß keine neuen guten Bands oder DJs zu verpassen, die ihm über MySpace geschrieben haben. Knapp über 14 000 virtuelle Freundschaften pflegt der Moderator bei dem sozialen Netzwerk inzwischen. Bisher hat Kavka alle persönlich geprüft und angenommen. Ob er das weiterhin schafft, ist fraglich, denn ab Donnerstag ist Kavka mit einer eigenen MySpace-Show zu sehen. Die Freundschaftsanfragen dürften noch mehr werden als bisher, denn um die User dreht sich fast die ganze Show.

„Kavka vs. The Web“ heißt sie. Kavka präsentiert darin aufstrebende junge Bands, stellt interessante MySpace-User vor und berichtet über spannende Geschichten, die er im Netz entdeckt hat. Fünf bis sieben Minuten dauert eine Folge, zwölf sind zunächst insgesamt geplant, jede Woche eine neue.

Von MySpace ein kluger Werbeschachzug. Doch Kavka würde sich kaum vor einen Karren spannen lassen, wenn er nicht wirklich hinter dem Projekt steht.

Noch vor einem Jahr besaß er nicht einmal ein Notebook, surfte vorwiegend aus beruflichen Gründen im Netz. Neue Musik suchte er früher bei Streifzügen durch Plattenläden, fast jeden Tag war er dort zu finden. Heute ist er höchstens einmal im Monat im Plattenladen. Denn immer mehr Bands und DJs nutzen inzwischen Netzwerke wie MySpace und Facebook, um sich bekannt zu machen – das geht schneller und kostengünstiger, als sich an große Labels und Sender zu wenden. Bands wie die Arctic Monkeys und jüngst Sängerin Lily Allen haben gezeigt, dass die Strategie aufgeht und Stars heute weniger durch Musiksender, sondern mehr durchs Netz groß werden. Wenn Kavka jetzt mit seiner neuen MySpace-Show Trends und Bands aufstöbern will, überholt er deshalb seinen bisherigen Arbeitgeber MTV und irgendwie auch sich selbst.

Allerdings blieb ihm kaum anderes übrig, als sich neu zu orientieren. Im vergangenen Herbst hatte MTV plötzlich den Anteil der moderierten Sendungen aus Kostengründen fast auf null reduziert. Auch Kavkas tägliche Sendung „MTV News“ wurde gestrichen. Nur noch einmal pro Woche ist er nun bei MTV zu sehen – das wohl wichtigste Gesicht des Senders, fast komplett weggespart.

Obwohl Kavka, der 2000 von Viva zu MTV wechselte, mit seinen 41 Jahren theoretisch Vater vieler MTV-Zuschauer sein könnte, hat er es stets geschafft, nah an der Zielgruppe zu sein, jedoch ohne sich anzubiedern. Das Geheimnis hinter diesem Spagat: Er ist selbst nicht erwachsen. Und will es wohl auch erst mal nicht werden. Er sei ein „kidult“, sagt Kavka von sich selbst, eine Mischung zwischen „kid“ und „adult“, Kind und Erwachsenem. Berufsjugendliche nennt man Leute wie ihn auch, in Berlin und der Medienbranche gibt es davon viele. Aber dieses Umfeld ist nur der eine Grund für Kavkas Schwebezustand. „Mir wird schnell langweilig. Ich muss immer etwas Neues entdecken“, sagt Kavka, der als Kind schon Handball, Fußball, Tennis und Karate machte. Heute ist er Moderator, Musikjournalist, Buchautor und DJ.

Zurzeit schreibt er seinen ersten Roman, im Frühjahr 2010 soll er erscheinen und in weiten Teilen autobiografisch sein. Ohnehin scheut Kavka sich nicht, Dinge von sich preiszugeben. So erfährt man auf Youtube beispielsweise, dass er sich seine Hoden rasiert. „Je ehrlicher man zu den Leuten ist, desto weniger können sie sich ausdenken“, sagt Kavka. Viele Leute würden Persönliches aber auch deshalb ins Internet stellen, weil sie in der Masse auffallen wollen.

Einigen könnte dies jetzt durch „Kavka vs. The Web“ gelingen. So wie Modedesignerin Rita von Halen, deren Seite Kavka aufgefallen war und von ihm nun in der ersten Folge als „MySpacer der Woche“ vorgestellt wird. Seine eigene Zukunft sieht Kavka allerdings nicht ausschließlich im Netz. Fürs ZDF moderierte er bereits zwei Wahlsendungen, auch zur anstehenden Europa- und Bundestagswahl wird er hier wieder zu sehen sein. In Planung ist außerdem eine Magazinsendung. Die Pilotfolge wird am 21. April live im ZDF-Infokanal gezeigt. Es geht um Politik, Gesellschaft, und Popkultur, Kavka wird einen Gesprächsgast und Publikum begrüßen.

Neben all diesen Jobs will sich Kavka natürlich weiterhin um seine MySpace-Freunde kümmern. Und um seine richtigen Freunde – die meisten von ihnen haben nämlich gar keine MySpace-Seite.

www.myspace.com/kavkavstheweb

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben