Medien : n-tv-Chef im Interview: "Kein Wettlauf um die schlimmsten Bilder"

Wie bewältigt ein kleiner Sender wie n-tv so

Bei der ARD liefen noch die Elefanten durch eine Wüste, als n-tv schon das brennende World Trade Center zeigte. Seit Dienstag, 14 Uhr 53 Uhr, berichtet der Nachrichten-Kanal, bei dem CNN Gesellschafter ist, ununterbrochen über die Anschläge - und erreicht damit täglich viele Millionen Zuschauer. n-tv-Chef Helmut Brandstätter sprach mit Barbara Nolte über die journalistische Logistik einer Katastrophe.

Wie bewältigt ein kleiner Sender wie n-tv so eine Endlosberichterstattung?

Manche Kollegen kommen, trotz Urlaub. Wirtschaftsredakteure helfen beim Aktuellen aus. Und trotzdem ist es eng. Das habe ich gerade wieder gesehen, als wir die Dienstpläne der nächsten Woche gemacht haben. Die anderen werden ihre Berichterstattung bald runterfahren. Aber uns wird die Katastrophe noch über Wochen beschäftigen: die Vergeltungsschläge, die kommen, die menschlichen Geschichten . . .

Sie haben CNN als Partner. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Wir dürfen uns dem CNN-Programm live zuschalten. Außerdem schicken die uns mehrmals am Tag Rohmaterial. Das können wir für unsere Sendungen verwenden. Diesmal hatte aber ein New Yorker Lokalsender, nicht CNN, die allerersten Bilder. Die hatten eine Kamera auf einem Hochhaus aufgebaut. Reiner Zufall!

Haben Sie manche Bilder aus Gründen der Pietät nicht gesendet?

Nein. Bilder eines Herabstürzenden haben wir nur kurz gezeigt. Aber es gibt diesmal keinen Wettlauf um die schlimmsten Bilder. Der Wettlauf geht um die Frage: Wer findet die interessantesten Gesichtspunkte?

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