Medien : "n - tv": Nachrichtensender sendet goldene Zahlen

Joachim Huber

Wenn es einem Unternehmen gut geht, dann macht es sich transparent. Nicht anders beim Berliner Nachrichtensender n - tv, der bei seiner Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Berlin erstmals Netto-Zahlen präsentierte. Und die sind für das Jahr 2000 hervorragend. "n-tv hat seinen Gewinn im vergangenen Jahr verdreifacht", sagte Kenneth Jautz, Sprecher der Geschäftsführung. Nach seinen Angaben betrug der Nettogewinn 48,6 Millionen Mark, die Rendite sei auf 22,4 Prozent gesteigert worden. Die Umsätze konnten, wie schon 1999, um 40 Prozent auf 217 Millionen Mark hochgefahren werden, wobei die Netto-Werbeumsätze 184 Millionen Mark ausmachten. Programm- und sonstige Kosten beliefen sich auf 162 Millionen Mark. "Damit gehören wir weiterhin zu den profitabelsten deutschen Sendern", betonte Jautz, n-tv habe in beinahe allen Bereichen über dem Marktdurchschnitt zulegen können. Dieses Wachstum werde auch im laufenden Jahr erwartet. Die hohe Zunahme beim Werbezeitenverkauf führte der Geschäftsführer auf das Programm zurück. n-tv werde vom Publikum weder als Krisen- noch als Börsencrash-Sender gesehen, sondern als "zuverlässiges Informationsmedium". Mit seinem Programm erreiche der Privatsender täglich mehr als 4,2 Millionen Zuschauer, über 88 Prozent der Haushalt können n-tv empfangen.

Der Nettogewinn verbleibt im Sender, kündigte Jautz an. "Keiner der Gesellschafter", ergänzte Aufsichtsratschef Karl-Ulrich Kuhlo, "wird auch nur eine Mark abziehen". Investiert werde in Personal und Programm, vor allem in die technische Ausstattung. Dem Internet-Auftritt, der im Januar 7,5 Millionen Page-Impressions verzeichnete, wird besondere Aufmerksamkeit zuteil.

Für Kenneth Jautz war die gestrige Bilanzpressekonferenz die letzte. Er wechselt, wie bereits berichtet, nach New York zu CNNfn, dem Wirtschaftsableger von CNN. Jautz bleibt n-tv verbunden, indem er Sitz und Stimme im Aufsichtsrat bekommen wird. Auf die Frage, wer Jautz als n-tv-Geschäftsführer nachfolgen werde, hieß es, dass die Verteilung seiner Aufgaben auf seine Kollegen Helmut Brandstätter (Programm) und Wolfgang Fischer (Finanzen) auch "eine längerfristige Lösung" sein könnte.

Zu den immer wiederkehrenden Gerüchten, dass Unternehmen wie die RTL-Gruppe oder die Deutsche Telekom bei n-tv einsteigen möchten, sagte Jautz nichts. Aus dem Umfeld war zu hören, die derzeitigen Anteilseigner seien mit der Gesellschafter-Struktur nicht unzufrieden. Die Verlagsgruppe Handelsblatt hält 28,49 Prozent, CNN 25,52 Prozent, Time Warner Entertainment Germany GmbH 24,27 Prozent, die Familie Nixdorf 18,9 Prozent. Selbst wenn die Anteile von Time Warner und der Tochter CNN addiert werden, kann kein Gesellschafter die übrigen dominieren. Das soll auch so bleiben, allerdings wird Time Warner/CNN Interesse an einer Reduzierung seiner Anteile auf bis 25,1 Prozent nachgesagt. Jeder Gesellschafter hat ein Vorkaufsrecht.

Time Warner bildet mittlerweile mit AOL den Medienkonzern AOL Time Warner. Ein Stellenabbau ist angekündigt, der auch CNN in den USA erfassen wird. Jautz dementierte vehement ähnliche Pläne für n-tv. Derzeit beschäftigt der Sender rund 320 festangestellte Mitarbeiter.

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