Nach Aufruf auf Facebook : Til Schweiger führt "Frust"-Telefonat mit Sigmar Gabriel

Damit hatte Til Schweiger wohl nicht gerechnet: Nachdem er auf Facebook seinen Frust über Fremdenhass kundtat, meldete sich Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel.

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SPD-Parteichef Sigmar Gabriel (l.) und Filmemacher Til Schweiger haben sich über Fremdenhass diskutiert. Fotos: dpa, AFP
SPD-Parteichef Sigmar Gabriel (l.) und Filmemacher Til Schweiger haben sich über Fremdenhass diskutiert.Fotos: dpa, AFP

Mit einer so schnellen Reaktion dürfte Til Schweiger nicht gerechnet haben. Erst am Mittwochmorgen hatte der Filmemacher auf seiner Facebookseite einen Artikel über einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim gepostet mit dem Aufruf: "Diesem Artikel kann ich nichts mehr hinzufügen! Frau Merkel, Herr Gabriel bitte übernehmen Sie!!!!!!" Am Abend klingelte dann tatsächlich sein Telefon, am Apparat: Vizekanzler und SPD-Chef Gabriel.

"Bäm!!! Der Vizekanzler hat sich gemeldet!"

"Bäm!!! Der Vizekanzler hat sich gemeldet!", teilte Schweiger am Donnerstag erfreut auf seiner Facebookseite mit. Gabriel habe sich "eine halbe Stunde an seinem Feierabend meinen Frust angehört.... meinen Frust darüber, dass es in diesem Land, das noch vor nicht allzu langer Zeit selbst auf der Flucht war (und wer weiss, vielleicht irgendwann wieder sein wird) soviel Fremdenfeindlichkeit und blanken Hass gibt". In einem Punkt sei er sich mit Gabriel sofort einig gewesen: "Dass die Mehrheit der Deutschen diesen Hass nicht teilt!!!!" Schweiger rief die Facebook-Nutzer dazu auf: "ERHEBT EURE STIMME NOCH LAUTER! ES IST AN DER ZEIT!"

"Den Zorn von Til Schweiger kann ich gut verstehen"

Auch Gabriel äußerte sich am Donnerstag auf Facebook zu dem Telefonat. "Den Zorn von Til Schweiger kann ich gut verstehen", schrieb er. "Und es ist gut, dass er lautstark protestiert. Hoffentlich tun das noch mehr. Denn die rechtsradikalen Menschenfeinde dürfen nicht den Eindruck gewinnen, sie seien die ,Vollstrecker des Volkswillens'."

Schweiger hatte sich zuletzt entsetzt über fremdenfeindliche Äußerungen auf seiner Facebook-Seite gezeigt. Nach einem Spendenaufruf für Flüchtlinge hatte er Hunderte von fremdenfeindlichen Kommentaren geerntet. In einem Interview mit dem ARD-"Nachtmagazin" machte er auch das Fernsehen für eine solche Verrohung im Netz verantwortlich.

Schweiger und Gabriel wollen nach Angaben der SPD nun im Gespräch bleiben über das Thema Fremdenhass.


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