Nach dem Cyanogen-Aus : Unsichere Zeiten für Android-Nutzer

Der Android-Anbieter Cyanogen stellt zum Jahresende alle Dienste ein. Das betrifft auch die freiwilligen Entwickler, die bislang Besitzer älterer Handys mit Updates versorgt haben. Abhilfe könnte von Google kommen.

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Die Android-Variante „CyanogenMod“ brachte bislang ältere Handys auf den neuesten Stand.
Die Android-Variante „CyanogenMod“ brachte bislang ältere Handys auf den neuesten Stand.Foto: Promo

Schlechte Nachrichten für Besitzer von Android-Smartphones. Deren Chancen, für ihre Mobiltelefone auch später noch neue Android-Versionen oder Updates zu erhalten, haben sich weiter verschlechtert. Das Aus des alternativen Android-Anbieters Cyanogen, der die Einstellung aller Dienste zum Jahresende angekündigt hat, könnte das seit langem bestehende Update- und Sicherheitsproblem weiter verschärfen.

Android ist die aktuell bedeutendste Smartphone-Plattform. Vier von fünf Mobiltelefonen laufen mit dem von Google entwickelten System – doch nicht einmal auf einem Prozent der Android-Smartphones befindet sich die neueste Version 7, Nougat genannt. Die vorherigen drei Versionen Marshmallow, Lollipop und Kitkat kommen auf jeweils rund ein Viertel. Dabei liegt es nicht an den Besitzern der Smartphones, dass sie nicht auf die moderneren und sicheren Versionen wechseln wollen. Es wird ihnen von den Herstellern schlicht verwehrt. Und dieses Problem könnte sich nun verfestigen.

Mehr Sicherheit durch CyanogenMod

Bislang gab es immerhin die Android-Versionen mit dem sperrigen Namen CyanogenMod als Alternative. Dahinter stand ein Team freiwilliger Entwickler, das selbst mehrere Jahre alte und weniger gehypte Smartphones mit Updates und neuen Android-Versionen versorgte. Ältere Versionen enthalten bekannte Sicherheitslücken wie Stagefright oder Quadrooter. Ohne Updates können Angreifer diese Smartphones komplett übernehmen.

Das Freiwilligenteam hinter CynaogenMod war mit dem kommerziellen Unternehmen Cyanogen stark verwoben. Die Entwickler wollen zwar unter dem Namen Lineage (übersetzt: Abstammung) weitermachen. Doch ob dies ohne Unterstützung durch eine Firma wie Cyanogen funktionieren kann, ist ungewiss.

Abhilfe könnte von Google als treibende Kraft hinter Android kommen. Lange Zeit hat sich der Konzern mit Kritik an den Herstellern von Android- Smartphones und ihrer Update-Politik zurückgehalten. Doch nun scheint bei Google der Geduldsfaden gerissen zu sein. Hiroshi Lockheimer, Senior Vice President für Android, Chrome OS und Play bei Google, nannte die Situation „äußerst frustrierend“. Zwar könne man nicht erwarten, dass auf mehr als 1,4 Milliarden Geräten stets das aktuellste Betriebssystem laufe, doch so lange wie derzeit dürfe die Verbreitung auf keinen Fall dauern.

Druck auf Hersteller erhöhen

Die Strategie von Google besteht aus zwei Teilen: Einerseits soll der Druck auf die Hersteller erhöht werden, um diese von der Wichtigkeit von Updates zu überzeugen. Zum anderen will Google selbst aktiv werden. Man arbeite an einer Hand von Lösungen, hatte Lockheimer erklärt. Dabei soll für die Unternehmen der Aufwand für Anpassung neuer Android-Versionen und die Integration von Sicherheitsupdates verringert werden. Um sich im Wettbewerb voneinander abzusetzen, modifizieren viele Hersteller die Android-Software und ergänzen sie um eigene Funktionen. Diese Modifizierungen und Ergänzungen müssen bei jeder neuen Android-Version oder jedem Update wiederholt werden. In der Folge werden zumeist nur die Flaggschiff-Modelle über einen längeren Zeitraum mit Updates versorgt.

Was genau Google plant, ließ Lockheimer offen. Gegenüber dem Portal „All about Android“ sagte er, dass Google Teile des Betriebssystem über so genannte „Android Extensions“ in den Play Store auslagern will. So könnten die Updates an den Herstellern vorbei zu den Nutzern gelangen. Wie kompliziert das ist, konnte bei CyanogenMod seit Jahren beobachtet werden. Und ohne eine Firma wie Cyanogen im Rücken wird dieses Aufgabe für die freiwilligen Entwickler, die sich nun unter dem neuen Label Lineage zusammengefunden haben, noch komplizierter. Kurt Sagatz

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