Nach dem Ende von "Günther Jauch" : Der ARD stellt sich die Sonntagsfrage

Am Jahresende macht Günther Jauch Schluss mit seinem Talk im Ersten. Die Welt der ARD ist etwas in Unordnung geraten. Wer übernimmt künftig den prestigereichen Sendeplatz nach dem "Tatort"?

von
Bald nur noch zu Dritt? Reinhold Beckmann (r.) hat 2014 mit seinem ARD-Talk aufgehört, Ende 2015 verabschiedet sich nun auch Günther Jauch (M.). Womöglich bekommen Frank Plasberg, Sandra Maischberger (2. v. l.) und Anne Will aber wieder Verstärkung.
Bald nur noch zu Dritt? Reinhold Beckmann (r.) hat 2014 mit seinem ARD-Talk aufgehört, Ende 2015 verabschiedet sich nun auch...Foto: ARD

An diesem Sonntagabend werden Zuschauer und Fernsehkritiker besonders genau hinsehen: Ist bei Günther Jauch ein Zeichen der Erleichterung zu spüren? Fühlt er sich nach seiner Entscheidung womöglich so befreit, dass er jetzt endlich kritisch nachfragt statt seine Talkshow dahinplätschern zu lassen?

„Die Welt in Unordnung – kann Politik noch Krisen lösen?“, lautet der Titel der ersten Sendung nach dem großen Paukenschlag am Freitag. Am späten Nachmittag hatte der für die Sendung verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) mitgeteilt, dass Jauch seinen Vertrag nicht verlängern will. „Aus beruflichen als auch privaten Gründen“, zitierte ihn der NDR in einer Mitteilung. Nach vier Jahren Politk-Talk soll Ende 2015 Schluss sein mit „Günther Jauch“.

Jetzt müssen die "Gremien voller Gremlins" entscheiden

Damit ist nun auch die Welt der ARD in Unordnung. Sieben Monate sind für die „Gremien voller Gremlins“, wie Jauch selbst einmal die Mitglieder in den Rundfunk- und Verwaltungsräten der öffentlich-rechtlichen Sender nannte, keine lange Zeit, um einen Nachfolger zu finden. Oder eine Nachfolgerin.

Fortführen will die ARD den Talk am Sonntagabend auf jeden Fall. So einfach wie mit der heiligen Dreifaltigkeit „Tagesschau“, „Tatort“ und Talk ist sonst an keinem Abend Quote zu machen. Die einfachste Lösung wäre nun, Anne Will auf ihren angestammten Platz am Sonntag zurückzuholen. Als Jauch 2011 übernahm, hatte sie trotz ihres guten Quotenerfolgs auf den weniger prestigeträchtigen Mittwoch wechseln müssen. Aber für einfache Lösungen war die ARD noch nie bekannt.

Die große Frage ist dabei nicht allein, wer künftig am Sonntagabend nach dem „Tatort“ zu sehen sein wird. Sondern auch, ob es weiterhin überhaupt vier Talkshows geben soll. Denn nach Jauchs Engagement war auch ARD-intern schnell ein Problem erkannt worden: Fünf Talkshows an fünf Abenden hintereinander sind womöglich zu viel: Sonntags Jauch, montags Frank Plasberg mit „Hart aber fair“, dienstags Sandra Maischberger mit „Menschen bei Maischberger“, mittwochs „Anne Will“ und donnerstags „Beckmann“.

Immer wieder überschnitten sich die Themen

Immer wieder überschnitten sich die Themen. Bereits 2012 schlug Programmdirektor Volker Herres eine Reduzierung von fünf auf vier Sendungen vor, der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks forderte 2013 eine Kürzung auf drei Talks. Bessere Absprachen wurden angemahnt, passiert ist aber weiter nichts – bis sich das Problem von alleine erledigte. Im September 2014 hörte Reinhold Beckmann auf. Und nun geht Jauch – da waren’s nur noch Drei.

Die Talkshow von Anne Will, was "Günther Jauch" nicht ist: eine politische Talkshow
Die Talkshow von Anne Will, was "Günther Jauch" nicht ist: eine politische TalkshowFoto: ARD

Ein Angebot für den Sonntagabend dürften wohl weder Will, Plasberg noch Maischberger ausschlagen, ist die hohe Einschaltquote hier quasi garantiert. Doch für diesen Sendeplatz ist im ARD-Gefüge der NDR zuständig, „Hart aber fair“ und „Menschen bei Maischberger“ gehören zum Westdeutschen Rundfunk und sind damit wohl chancenlos.

Kann sich Anne Will einen Wechsel vorstellen?

Im Gegensatz zu Will, deren Sendung zum NDR gehört. Kann sie sich eine Rückkehr auf den Sonntagabend vorstellen? Dazu will sich die Moderatorin nicht äußern. Sollte sie aber tatsächlich wechseln und den Mittwochabend freimachen, gibt es Platz für eine neue Runde. Denkbar wäre beispielsweise, dass diesen Platz dann „Tagesthemen“-Moderatorin Pinar Atalay übernimmt. Die 37-Jährige hat sich bereits in der „Phoenix“-Runde als eloquente Talkshowmoderatorin bewiesen. Dann wären’s wieder Vier.

Welche beruflichen und privaten Gründe Jauch zum Abschied bewegen, wurde in der Mitteilung am Freitag nicht weiter ausgeführt. Ob die rund 20 Mitarbeiter seiner Talkredaktion bei seiner Produktionsfirma i&u unterkommen, ist nicht bekannt. Eine Sprecherin betonte aber, dass der Moderator nicht an einen kompletten Rückzug vom Bildschirm denkt: „Günther Jauch wird weiterhin im TV präsent sein.“

Das dürfte vor allem seinen Zweitsender RTL erleichtern, wo Jauch seit 1999 „Wer wird Millionär?“ moderiert und bei „5 gegen Jauch“ und „Die 2“ zu sehen ist. Will er sein Engagement beim Kölner Privatsender ausweiten? „Neue gemeinsame Projekte sind derzeit nicht geplant“, teilt RTL-Sprecher Christian Körner mit. Die Verträge mit Jauch seien „per Handschlag“ vereinbart worden, jede Seite könne aufhören, wann sie Lust habe.

Die Lust auf seinen ARD-Talk ist Jauch offensichtlich bereits vergangen.

- „Günther Jauch“, ARD, Sonntag, 21 Uhr 45

Autor

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben